22-01-07-CoTaBu-Ruhiger Tag, stille Freuden+Elses Sternenstaub bei Michi
Ein ruhiger Tag, Nachklang zu gestern. Zum rohkostlastigen Frühstück kam Michael. Als ich von unserem gestrigen Themenkomplex erzählte trug er das kostbare Detail über die Herkunft des Goldes bei – symbolisch, vielleicht sogar mit „meiner Else“ gesprochen: „aus Sternenstaub“. So schloss sich der Kreis. Wenn es quasi aus dem Kosmischen kommt, aus dem der Ewigkeit entrissenen AllEinen, dann ist der Anfang des Goldes da, wohin der Weihrauch zielt. Erbauliches Gespräch; dieses führten wir bei seinem zweiten Besuch fort; er kam, um für seine Mutter Seelenmedizin abzuholen, auf dass sie nicht aus dem Fenster spränge. Er hatte zwei Briefe dabei: einen, den er an ein Gästeehepaar geschrieben und einen, den er zurückbekommen hatte. Auch das hohe Freude, so poetisch, spritzig und geistreich. Das Vorlesen hat mich an Szenen erinnert, wenn Familien sich zur Lesung von Feldpost oder Briefen aus der Ferne zusammenfanden; mitunter sind unsere Zusammenkünfte deutlich prosaischer. Ansonsten Weihnachtsschmuck abgeräumt; Leuchtmittel zu Leuchtmittel, Behang zu Behang. In Birkenscheiben per Holzhandbohrer genausoviele Löcher gebohrt wie ich vergoldete Mohnkapseln habe. So müssen sie nächstes Jahr nicht mehr in unpassenden Vasen stehen, sondern wie Familien (oder Hirten) auf eigenen Füßen in Gruppen. Michael hat gottlob meinen Drucker wieder funktionsfähig gemacht. Mit Bine ausgiebig telefoniert. Ein paar Schuhe abgewaschen, vielleicht putze ich sie morgen noch richtig – fast vergessen, wie das geht. Else gelesen. Diese Freude! Ihre Sprachbilder gehen mir so unter die Haut, wie ich das noch nie bei einer Dichterin gespürt habe, obwohl sie als Mensch bestimmt wahnsinnig anstrengend, nervig und auch regelrecht verrückt gewesen sein muss. Eine gibt es noch, aber die steht auf einem ganz anderen Blatt.
Deine Gespräche mit Michael und das Vorlesen der Briefe sind sehr kostbar. Wie schön, dass ihr so eine Ebene miteinander habt.
Unser Schreibtag klingt auch bei mir noch sehr nach. Habe mir viele Gedanken zu Gold gemacht. Briefe sind wie Zeugen aus einer vergangenen Zeit Ganz leise war der „ruhige Tag“ einer, wo Schätze ans Tageslicht kamen, so der Einklang mit Michael