22-02-13-CoTaBu-Schneerosen in der Hospizkapelle und ein 50-kg Teppich

Leider früh aufgewacht. Jetzt könnte ich Beates Spaziergang machen, raffe mich aber nicht auf. Obwohl es kein Frühstück gibt und ich noch Zeit hätte. Heute wird Irmgard W.-E. in der Stephanuskirche verabschiedet, mit Gottesdienst und anschließendem Empfang, die in etlichen Münchner Kliniken als Seelsorgerin gewirkt hat. Renate und ich haben sie gründlich abgelehnt, bis ich auf meiner Granadareise 2018 ihren Witz, Charme und ihre Originalität schätzen gelernt und sie ins Herz geschlossen habe. Ich freue mich über die Einladung. Abends deutsch-russischer Club. – Gestern habe ich also Renate F. im Hospiz getroffen. Sie brachte Schneerosen von ihrem Dachgarten mit, (die sie später wieder fürs Grab ihres Mannes mitnahm). Ich hatte Musik (Satie) und Texte (Marc Aurel, Franz v. Sales, Psalm 139) im Kopf, Räucherwerk, Kerzen für eine kleine Gedenkandacht hergerichtet. Sobald das „Richtige“ angelesen wird, nicht „irgendwas“, wirkt es. Dann hat sie nochmal erzählt und herzzerreißend geschluchzt, dass sie nicht wusste, wie ihr geschah. Aus eigener Erfahrung – die natürlich nicht auf jeden übertragbar ist – leite ich ab, wie heilsam es ist, diese Dinge an diesen Tagen wieder nah heran zu holen; sie können dann wieder eine Zeit lang ruhen. Durch bloßes Reden lässt sich „das“ niemals in der Tiefe durchmessen. Hinterher bei mir unten Franzbrötchen mit Kaffee. – Sie ging später zum Yoga, ich mit Michi nochmal Richtung Kibek. Im Gehen saß ich noch mit der Polizistin auf der Couch, für deren Liebsten bereits die Kerze brannte. Wie zerbrechlich war sie jetzt! – In Deining die winzig kleine Runde um den eiskalt zugefroreren Weiher gedreht. Dann nochmal einen Teppich gekauft, den ich erst noch ausrollen muss. Wie konnte ich nur!! Michael schätzt 50kg, groß, Wolle, wunderschön, und so teuer wie einstens nur Eichentisch, Bank und zugehörige Stühle zusammen! Immer in der Hoffnung, mir Simons Zimmer anzueignen. Vielleicht bringe ich den anderen zurück, den ich das letzte Mal gekauft habe? Man darf das.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Na dann bin ich auf den neuen Teppich gespannt, das schwere, teure Stück. Was wohl der deutsch-russische Club ist? Sehr ergreifend deine Begegnung mit der Trauernden im Hospiz. Ich denke, dass die Menschen sich bei dir ihrer Trauer hingeben können, weil sie wissen, dass du es aushalten kannst und der Raum dafür da ist mit bestimmten ausgewählten Beigaben.

  2. Renate sagt:

    Frau W.E. hatte aber auch eine nicht sehr gewinnende Seite. Du hast eine andere von ihr erleben dürfen. Der Patient, den ich aufgenommen habe, ist schon verstorben. So konnte die Frau seinen Namen nicht mehr annehmen.

  3. Beate sagt:

    ich kann mich Ines Kommentar nur anschließen! Die Trauernden sind in Deiner Gegenwart gut aufgehoben und können sich behütet fühlen. Bin auch gespannt auf Deinen Teppich..

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