Potpourri Heike
Eine Zeit lang krank unter der Decke gelegen; gestern fiel mir auf, dass ich bestimmte Dinge nicht mitbekommen habe. Zum Beispiel wie mich ein Päckchen der Mutter von Simons erster Freundin erreicht hat.
Nach langer Auszeit wieder ins Hospiz gegangen und abgesondert worden, eine schwere, tiefgreifende Erfahrung für mich, jenseits rationaler Erklärungen. Greift an sehr regressive Gefühlszustände. Gibt mir zu denken.
Erstaunt. wie anpassungsfähig wir alle sind und auch ich bin. Denn meine erste Woche mit Renates „Nachfolgerin“ im ausgestorbenen Hospiz war auch schon wieder Zeichen eines Wandels. Sie ist nicht neu, sondern war vorher in der Pflege.
Renate nicht mehr da und privat aber mehr als vorher. Oder? Sehr eingeübt die Beziehung über 15,5 Jahre.
Mit Simons Tag, dem 3. März und dem ausgefallenen Beisammensein mit seinen Freunden hat sich meine persönliche Coronaisolation schon angebahnt. Noch kurz vor dem Tag, ab dem dann die Katastrophe so genannt wurde, gab es einige Absagen. Peergruppe und einzelne Verabredungen. Ines, du warst vielleicht die „letzte Besucherin“, so rein privat.
Ganz unter dem Eindruck, soviel verboten zu bekommen staune ich, wie man dann doch mit den sogenannten systemrelanten Gruppen umgeht. Da ist es auf einmal dann nicht so streng. Erst seit dieser Woche tragen in unserem Edeka die Verkäufer Mundschutz und haben Spuckschilde aufgestellt.
So viel Sorge um die armen Menschen, die jetzt zwangsgeschütztt werden.
Heute habe ich zwei Frauen gesehen, die einen Zaun zwischen sich hatten und jeweils dies- und jenseits ihre Stühle zu einem nachbarschaftlichen Plausch aufgestellt hatten.
Ich spüre, Persönliches, das nur mich betrifft, kommt hier weig vor. Erst war ich krank und in der Versenkung verschwunden, und dann war ich nur noch eine von Millionen, die sich ins Ganze fügt.
Eins vielleicht. Ich gehe jetzt regelmäßig eine Kerze am Grab von Magdalenas Tochter anzünden. Deren Tochter, Lilly, zwölf oder jetzt 13-jährig, ist in Dillingen, Magdalena ist alt und Risikogruppe mit jahrelangem Krebs und geht nur zum Grab, wenn sie es gar nicht anders aushält. Ich halte jetzt eine Kerze am Brennen.
Abstand zwischen den Stühlen