Ältester der Stämme der grossen Ebenen

Beim kramen und wegwerfen von Gedichten, Texten – eigenen und fremden-, fiel mir ein Text eines Indianers in die Hände. Der Text hat die Überschrift „Die Einladung“ und es gilt Fragen zu beantworten. Eine davon will ich hier vorstellen.“ Ich will wissen, ob du mit dir selbst allein sein kannst, und ob du wahrhaft Freude hast an deiner eigenen Begleitung in den leeren Augenblicken?“ Diese Frage wie für mich gemacht. Gerade jetzt in dieser Zeit. Es gibt keinen Wecker, keinen geregelten Arbeitstag, keine leibhaftigen Kontakte, keine aushausige Kultur, keine Besuche. Es gibt die selbstauferlegte Struktur des 5 Stunden Abstandes, es gibt den obligaten Spaziergang, den Einkauf, die Telefonate, den Balkon, das Buch, die SZ, Whatsapp, Internet und am Abend TV und es gibt auch die leeren Augenblicke und ich stelle fest es ist alles gut wie es ist. Früher habe ich versucht die leeren Augenblicke zu füllen, inzwischen lasse ich sie leer und stelle fest, es passiert nichts dramatisches. Im Gegenteil daraus entsteht manchmal eine Idee, etwas Kreatives und manchmal, wie schon beschrieben, schlicht und einfach gar nichts. Ich dachte immer diese leeren Augenblicke müsse ich aushalten, bis mir klar wurde, aushalten klingt nach Anstrengung. Es ist keine Anstrengung, es ist ein Innehalten oder Anhalten vom geschäftigen Treiben. Auf alles was im Aussen wiedermal stattfinden wird, freue ich mich trotzdem, weiss aber um den Schatz der leeren Augenblicke.

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Oh, ach hätte ich diesen Text doch schon an meinem ödesten aller Arbeitstage gelesen gehabt! Einmal war ich nah dran, es genauso zu machen, aber dass mir jemand womöglich zuschaut, mich ertappt beim Blödschauen war mir doch zu ungewohnt. Falls morgen noch so ein Tag kommt werde ich versuchen, mich an diesen Text zu erinnern

  2. Ines sagt:

    Eine weise Frage. Sollte sich jeder Mensch mal stellen. Früher habe ich die Leere immer negativ empfunden und mit Depression assoziiert. Das muss gar nicht sein.

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