20-04-24-CoTaBu-Wut im Wandel – Brief in Arbeit
Prächtiger Tag. Ich wache schon textend auf. Heute werde ich auf Sr. Thereses Bitte einen Brief an alle Beteiligten aus dem Ehrenamt schreiben, auch an die Ambulanten. Nun stelle ich fest, der Auftrag weitet meinen Blick; er verbietet mir, nur für uns und die Unseren zu denken, erhabene Gedanken bemächtigen sich meiner. Es gerät nicht zum gewünschten „Ermutigungsschreiben“. Es wird zur Kampfschrift, jedenfalls in meinem Kopf. Nachdem ich von Wut auf Gott und die Welt beherrscht war, insbesondere auf Gregor und wie meist auf Therese, haben gestern ausgiebig fruchtbare Gespräche stattgefunden und ich bin wieder aufgehellt. Ich sehe dennoch in Gefahr, wofür ich als Hospizlerin brenne. Während ich blogge, wird mir meine Wut noch klarer. Es sind all die Werte, für die die Hospizszene steht: Jetzt zählt der Mensch als körperliches Wesen mit dem Recht auf Medizin und Pflege und dem Zwang, geschützt zu werden. Seine geistigen, seelischen, spirituellen und sozialen Aspekte und Grundbedürfnisse, für die wir jahrzehntelang gekämpft haben, sind zweitrangig geworden. Wie bei Virginia Satirs Kommunikationsmodellen sehen wir die Einen rationalisieren, andere bagatellisieren, beschwichtigen (loben und vertrauensvoll sich fügen), eine wie ich geht in die Wut und klagt an, will kämpfen und schlägt um sich. Der lästige Auftrag, mich an alle zu wenden, nicht nur an unseren Kreis, hat meine Perspektive geweitet. Thereses Besuch bei mir auf dem Hof, zwei Telefonate mit Gregor, in denen ich ihm meine ganze Wut um die Ohren hauen konnte, haben mir geholfen. Ihm übrigens auch. Und hoffentlich auch der Welt.
Olga lobt den Zorn – als höchstes der Gefühle – heilig und kraftvoll. ————- Oder:
Olga singt ein Lied – auf heiligen Zorn. Höchstes – aller Gefühle!
Eine wunderbare Streitschrift! Dieses ernsthafte Engagement zeugt von großer Weisheit und großem Wissen