Linseneintopf
Meine Stimmung ist viel besser als gestern. Erstens Mittwoch, freier Tag und am Morgen im Pyjama mit Kaffee und Tagebuch im Bett. Das Highlight des Tages. Eigentlich hätte ich viel Zeit gehabt, um alles gemütlich zu schaffen, nämlich nach Schwabing zum Hausarzt zu radeln für den Überweisungsschein und dann weiter zum Schilddrüsenarzt am Marienplatz, wo ich um 11.15 Uhr eine Termin hatte. So getrödelt, dass ich am Schluss rasen musste, um pünktlich zu sein. So gut beeilen kann ich mich morgens nicht mehr. Alles braucht seine Zeit, ist vielleicht ein Zeichen des Älterwerdens. Jedenfalls musste ich trotz Pünktlichkeit aufgrund von Höchstgeschwindigkeit auf dem Fahrrad dann letztendlich doch im Wartezimmer 1/2 Stunde warten ohne jede Bunte oder Brigitte. Jeder 2. Stuhl stand umgekehrt, so dass man sich weit auseinander setzen musste. Schilddrüse ist gut, danach noch ein kurzer Sprung zu Hugendubel, der erfreulicherweise offen hatte. Ich kann nicht behaupten, dass es ein Genuss war, denn die Rolltreppe quietschte in regelmäßigen Abständen so nervig, dass ich eigentlich froh war, wieder draußen zu sein. Aber ich hab mir ein Buch von Doris Dörrie gekauft und bin ganz begeistert, nachdem ich es schon vor, zwischen und nach dem Mittagessen angefangen habe zu lesen. Wahrscheinlich wisst ihr, dass sie an der Münchner Filmhochschule Creative Writing unterrichtet. Jedenfalls heißt das Buch: Leben Schreiben Atmen – eine Einladung zum Schreiben und es hat sofort den erwünschten Effekt, dass ich Lust bekomme zu schreiben. Ich bringe es mal zu unserem nächsten Treffen mit. Ansonsten das übliche Hausfrauenprogramm mit Waschen, Einkaufen, Kochen, etc. Heute gab es Linseneintopf mit Zutaten ausschließlich vom Bioladen, wo ich derzeit viel Geld lasse und mich frage, ob es das wirklich wert ist. Jedenfalls war der Eintopf so unglaublich lecker, dass ich mich etwas überessen habe. Meine Mutter hat früher einmal in der Woche Eintopf gekocht. Wir Kinder haben uns darüber immer beschwert und am Essen gemäkelt, ich ganz besonders. Jetzt würde ich viel darum geben, wenn ich noch mal die Eintöpfe meiner Mutter essen könnte. Sie lebt zwar noch, aber ihre Krankheit macht sie bewegungsunfähig, sie kann nicht mehr am Herd stehen, geschweige denn Gemüse schneiden. Heute habe ich viel an das Essen meiner Kindheit gedacht. Als Kind oft verschmäht, als Erwachsene heiß ersehnt.
Gut gestimmte Frau
auf dem Fahrrad durch den Wind
ins alte Schwabing
Nicht nur Eintopf bis in die Kindererinnerung und Muttersehnsucht, sondern soviel Zeit, wer kennt es nicht, bis danch eine Hetzerei entsteht??!! Das Dörriebuch kenne ich nicht. Müsste ich/man? Ich weiß natürlich, dass sie Menschen zum Schreiben bringt, sie sagt JEDEN. Das würde ich auch behaupten, nur dass zu mir nicht alle kommen, die zu ihr gehen würden. Schade eigentlich.
…schön, dass das Buch Dich spontan inspiriert hat! Ich habe es auch in meinem Bücherregal, habe es an meinem letzten Geburtstag geschenkt bekommen. Es ist lesenswert, dachte auch ich mir. Leider hatte es nicht die Tiefe, die ich bräuchte, um mich nach fast einem Jahr noch daran erinnern zu können, was sie geschrieben hat.