20-05-09-CoTaBu-Lockerungen für unsere geliebten Alten…ein Skandal!
Der Tag steht unter dem Zeichen: erster Besuch Marienstift, Wiedersehen nach sieben Wochen. Gerade kommt Michael bereits zurück, hat jetzt erfahren: darf nicht rein, erst um 11:30 für eine halbe Stunde, muss Mutter im großen Saal /250 qm treffen, wo sie noch nie war, wohin sie wahrscheinlich „abgeführt“ wird, was sie aus der Bahn wirft, weil sie wenig versteht, zumal vielfach gebrochenes Deutsch hinter Maske. Im Saal werden gleichzeitig vier Besuchsparteien hinter Plexiglas das Wiedersehen feiern, danach Flächendesinfektion. Vorher anmelden, in Liste eintragen, Fiebermessen, Maske, Abstands-, Nies- und andere Vorschriften. Dinge wie Spaziergang nicht vorgesehen. BewohnerInnen haben ein Papier aufs Zimmer bekommen. Anni dement, Macula – kann nichts lesen – entgleist bekanntlich, wenn sie nicht weiß, was sie damit anfangen soll – Angst, etwas falsch zu machen. Gerade noch Ergänzung zur Patientenverfügung formuliert, die sie dringend unterschreiben müsste. Sicher nicht erlaubt. Sie wird durch Scheibe und ohne den Mund zu sehen kein Wort verstehen, wenn sie Michael überhaupt erkennt. Inzwischen seelisch verwahrlost, depriviert bis ins Innerste. Auch wenn sie mittlerweile den ganzen Tag packt, wartet, Michael für ihren Bruder hält, denkt, sie müsse zur Arbeit: beim Thema Krankenhaus und Beatmung ist sie hellwach: auf keinen Fall und: „wie kann man das denn festlegen?“ Ein Besuch im Gefängnis kann nicht beängstigender sein. Ein Skandal. Ich schicke euch den Link zu diesem Frick-Gespräch: https://invidio.us/watch?v=SzF0nD941rA&local=true. Auch wenn der Hauptakteur unerträglich ist. Ein Hoch auf Tavor an Tagen wie diesen. Das ist Bayerns Lockerung zum Wohle unserer geliebten Alten. Ich habe Michael gesagt, er soll Bilder machen, wir nehmen sie zum Katalog an Instruktionen. Heute geht ein Schreiben an die Regierung raus. – Meine Lektüre kann mich nicht rausholen, m.E. überflüssiger, gewollt lustiger Lesestoff einer schriftstellernden Fußpflegerin oder umgekehrt fußpflegenden Schriftstellerin. Marzahn, mon amour.
ist das furchtbar, was mit den armen Alten und oft Dementen jetzt gerade passiert. Da kann jeder froh sein, der zu Hause gepflegt wird und der selber noch Verantwortung übernehmen darf dafür, wen er in die Wohnung lässt und wen nicht. Meine pflegebedürftige Mutter hat von meiner Schwester und meinem Bruder , ohne deren Familien allerdings, regelmäßig Besuch gehabt. Sie sagt, es ist Schicksal, sollte sie das Coronavirus bekommen, sie ist aber auf meine Geschwister schon allein emotional angewiesen.
ja, es ist unglaublich furchtbar, wie alte Menschen behandelt werden, angeblich zu deren Wohl. Ich finde es auch gut und wichtig, Heike, dass Du es laut kund tust.