Bielefeld

Seit gestern bin ich nun in Bielefeld, übernachte bei meiner Schwester. Meine Mutter war gestern, als ich sie nach meiner Ankunft das erste mal besuchte, in sehr schlechter Verfassung, sie hatte das Bett seit drei Tagen nicht verlassen und sie konnte plötzlich vieles nicht mehr, was vorher noch möglich war, es schien so, als wäre jetzt die Stufe der Bettlägerigkeit und kompletten Hilflosigkeit erreicht. Sie wirkte wie kurz vor dem Sterben, ganz schwach und dahin dämmernd. Umso mehr erschien es wie ein kleines Wunder, dass heute morgen, als meine Schwester und ich zu ihr kamen, sie frisch und viel wacher in ihrem Sessel im Wohnzimmer saß und sie wieder selbstständig essen und trinken konnte. Wir  hatten einen relativ fröhlichen Tag, ich habe mittags gekocht und wir hatten gute Gespräche, haben zwischendurch herzhaft gelacht. Aber das alles kann nicht darüber hinweg täuschen, dass mein Vater die Pflege nicht mehr schafft, weder körperlich noch psychisch. Er kann meine Mutter nicht mehr umsetzen und halten, er ist inzwischen auch ein alter Mann, hat gleichzeitig aber noch viele Pläne, die er umsetzen möchte. Morgen werden meine Schwester und ich wieder den ganzen Tag bei unseren Eltern sein. Dann hat mein Vater Zeit für einen Tagesausflug. Morgen müssen wir das Thema Pflegeheim unbedingt zur Sprache bringen. Bis jetzt ein Tabuthema. Abends war ich Grillen bei meinem Bruder, jetzt bin ich hundemüde und hoffe auf guten Schlaf im fremden Bett.

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2 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ach Ines, danke, dass du uns reinblicken lässt. Deine Situation ist so ganz anders, weil du mit großen Abständen aus der Ferne kommst und dadurch nicht bis ins Tiefste verstrickt bist, sondern mit klarem Blick draufschaust. Pflegeheim ist derzeit halt so eine Tragödie, jedenfalls bei uns, die Besuchsregeln betreffend. Hoffentlich habt ihr heute wieder einen guten Tag im Sitzen, mit Lachen.

  2. Beate sagt:

    Es ist sehr traurig, wenn so viel Hilfe geboten ist und der Vater sich aufopfert. Vielleicht ist doch eine wie auch immer organisierte Pflege zuhause möglich? Die Coronazeit bedeutet für viele alte Paare, dass sie sich gar nicht mehr sehen können. Das stelle ich mir schlimm vor.

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