1. Arbeitstag und Schieflage
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Wieder ist es spät und ich bin kurz vorm Schlafen. Es war mein erster Arbeitstag heute. Der Weg zur Arbeit mit dem Rad durch die frische Morgenluft war richtig gut. Kaum im Kinderzentrum angekommen, wieder gearbeitet, als wenn ich nie weg gewesen wäre. Abgesehen von der Mittagspause, die zum Glück im Freien im Schatten eines Baumes stattfand, extrem absorbiert und konzentriert gearbeitet bis 18 Uhr. Mit einer türkischen Mama und ihrem Kind viel Spaß gehabt. Die Mutter ist schon die 4. Generation in Deutschland und spricht viel besser Deutsch als Türkisch. Dennoch will sie ihrem Sohn Türkisch beibringen und muss deshalb manchmal den Google Übersetzer bemühen, weil sie viele Worte nur auf Deutsch kennt. Mit einem anderen sehr differenziertes Elternpaar heute die Diagnose eines Rett-Syndroms bei ihrem kleinen Mädchen besprochen, das ist eine furchtbare Diagnose, bei der die Kinder im Alter von einem Jahr ihre bis dahin erworbenen Fähigkeiten wieder verlernen. Da fällt es mir auch schwer, das Positive zu sehen. Dann wieder nach Hause geradelt. Mit Hubert herrlich auf der Terrasse gespeist nach der Dusche. Hubert war schon viel früher daheim und hatte bereits gebügelt, auch meine Sachen. Auch hat er mal wieder zig Dinge organisiert und gemacht, die unser gemeinsames Leben betreffen. Das ist schon eine ordentliche Schieflage. Komischerweise empfindet er es nicht so. Ich hoffe, ich kann mich irgendwann mal revanchieren.
Musst dich nicht revanchieren, würde er sagen. Wahbsinn, dass nach so einer Diagnosebesprechung noch ein schöner Tag rauskommen kann. Aer vielleicht denkt man das auch, wenn ich aus dem Hospiz berichte.
Mein erster Gedanke war, wieso revanchieren? Annehmen und dich freuen, dass du einen Mann hast der Eigeninitiative zeigt.