Erster Arbeitstag
Heute erster Arbeitstag nach gefühlt einer Ewigkeit, in der sich die Welt, meine Welt, gedreht hat. Wohin? ich sitze noch im Karussell und hoffe, all das, was mir lieb und teuer geworden ist im Laufe der letzten Jahre, gerinnt nicht zu Staub. Die E-Mails aus Brüssel, Berlin, Prag, darin schreiben die Kollegen, kein Ende in Sicht, vorläufige Absagen. Ich sauge mir neue Ideen aus den Fingern und weiß genau, das Digitale macht mir nicht so viel Freude, ich brauche die konkrete Begegnung mit Menschen, nicht auf dem Bildschirm, sondern lebendig vor oder neben mir. Heute also erste Erkenntnis, dass auch auf diesen Feld was zu Staub zerrinnen kann. In der Mittagspause bin ich ins Rigoletto geradelt, war mit Alexander verabredet, unserem Referatsleiter, der mit Frau und Baby schon da saß, als ich ankam. Schöne junge Menschen sind die beiden, eine Freude, sie mit ihrer kleinen Nele zu sehen und mit ihnen zu speisen war eine Freude. Die größere Schwester, Ida, ist schon in der Kita. Alexander macht ausgiebig Elternpause, ich vertrete ihn im September . Und da ist Barbara, meine Kollegin, die mir immer so schöne WhatsApps geschrieben hat. Sie hatte früher ein Lymphom , muss deshalb immer wieder untersucht werden. Wie es ihr wohl damit ging, wenn ich ihr geschrieben habe, dass ich leider wieder nicht zu arbeiten anfangen kann, weil….Barbara musste heute nach Hause. Ihre Familie hat ein Gestüt, das wohl in der Nacht abgebrannt ist. Die Pferde gerettet, ein paar Hühner verendet- ein großer Schreck, vielleicht ein richtiges Unglück für ihre Eltern.
Am Abend war ich wieder bei der zauberhaften Logopädin. es war so schön und heilsam wie beim letzten Mal. Danach mit Alina auf dem Balkon gegessen.Die Sonne ging blutrot unter. Janni rief kurz an. Sie hatte am Nachmittag Besuch von einem Freund und saß mit ihm auf dem Balkon, mit bstand, mit Maske. Sie war beschwingt und klang fast vergnügt. Ich hoffe so sehr für sie, dass der Albtraum bald vorbei ist.
Ein Stück Normalität und doch wieder nicht. Jetzt funkt Corona wieder rein. Und nur vom Abbrennen zu hören lässt Furchtbares ahnen. Mich fliegt der Gedanke an, dass so eine Logopädin vielleicht – wie mein Herr Diemer – sehr heilsam sein kann, viel mehr als nur für Stimmlippen.
Furchtbar wenn Tiere umkommen bei einem Brand.
Deine Logopädin wäre für mich sicher auch gut.
Das Leben kann sich plötzlich total verändern, nichts ist sicher. Wir hätten es zwar gerne, und können uns einbilden, alles unter Kontrolle zu haben, aber an der Erkrankung von Janni sieht man, dass es eine Illusion ist.