erste Herbsttage

in der Tat habe ich heute länger schlafen können und bin einigermaßen erholt aufgewacht. Am Ende des Gangs haben Sirena und Janni ein Zimmer. Das ist schön, dass sie mitgekommen sind!

Seit ich 12 Jahre alt war, war dieses Kloster Bestandteil meines Lebens. Jedes Jahr zu Weihnachten fuhren wir hierher zur Christmette, fast jeden Sonntag gingen wir hier oder in der kleinen Kirche im Ort zur Messe. Mein Vater hatte berufliche Kontakte hierher, weil er sich als Schulleiter für Umweltschutz einsetzte und gemeinsame Projekte durchführte. Später, als ich in der Landeszentrale arbeitete und Kooperationspartner betreute, gab es auch Kontakte zum ZUK (Zentrum für Umwelt und Kultur) und nicht zuletzt war ich ab und an auf dem Textilmarkt, der alljährlich im Herbst hier stattfindet. Wirklich gemocht habe ich die Gegend, das Kloster nie. In mir war ein Stachel gegen das Provinzielle, auch das Katholische, gegen die Leute, die in den Kirchenbänken saßen und die man im Klosterbräu sitzen sehen konnte. Auch als mein Vater alt und hilfsbedürftig war, fuhren wir oft hierher, gingen in die Kirche, zum Essen, kauften Blumen für den Garten.

Heute ist es anders, ich sehe die Schönheiten dieses Ortes und bin wehmütig, sentimental. Was war es denn, das mir früher den Ort vermieste? ich habe wie einen neuen Blick auf ihn. Heute Nachmittag saß ich mit Janni im Garten und spielte mit ihr. Wir hatten so viel Spaß miteinander. Es geht ihr schon besser. Als ich auf meinem Zimmer war, rief mich Rainer an. ich sagte, ich bin in Benediktbeuern, er darauf: ich komme, wir gehen spazieren. Geht nicht, sagte ich, ich bin mit meiner Tochter hier.Wir haben dann lange am Telefon geredet. Er sagt ja ab und an, wir hätten en tiefes Vertrauensverhältnis zueinander, ich weiss nicht, mir ist was anderes wichtig, ich finde es eher spannend, mit ihm zu reden und Zeit mit ihm zu verbringen. Am Montag kommt seine Tochter Hannah aus Spanien zurück, ich habe einen Heidenrespekt vor einer Ansteckung mit Corona, da wird wohl mal wieder nischt aus einem Treffen.

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4 Antworten

  1. Heike sagt:

    Ich wusste gar nicht, welch tiefe Verbindung – positiv und negativ – du mit Benediktbeuern hast. Und wusste auch nicht, dass ihr zusammen dort seid. Ich dachte, du hättest eine „Auszeit“ und bin gerade richtig erschrocken, das zu lesen; übertrage wohl meine Bedürfnisse nach Ruhe und nicht- angesprochen-Werden auf andere, unzulässiger Weise.

    • Beate sagt:

      Stimmt, „Auszeit“ heisst vielleicht wirklich, allein den Alltag zu verlassen, all das, was belastet. Daraus ist ein Kurzurlaub zu Dritt geworden, undenkbar bis vor einer Woche, dass so was möglich wird. Umso schöner ist es, dass die beiden dabei sind.

  2. Ines sagt:

    Ja, das hat mich auch gewundert, da ich annahm, dass du dir alleine eine Auszeit genommen hast. Vielleicht gelingt es ja trotzdem, ein aus den Sorgen auszusteigen und Frieden zu finden.

  3. Renate sagt:

    Dann bin ich die Dritte die erstaunt ist. Auf deinen Schlaf hat sich die Stille anscheinend positiv ausgewirkt. In Benediktbeuern war ich, als deep purple mal mit Abt Notker Wolf spielten, da war’s aus mit der klösterlichen Ruhe.

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