20-09-19-CoTaBu – Nochmal Tugenden – Nervenbad im Wald

Nachhall zu „Tugendreich“: Historisch und aktuell. Beeindruckend die Tugenden anhand von Räumen, als papierene Miniaturmodelle in beleuchteten Stelen dargestellt. Den jeweiligen Raum notiert, was man dort tut und die zugehörige Tugend: Klosterkirche – Gebet – Gottesliebe. Kreuzgang – stillschweigen – Kontemplation. Bibliothek – lernen – Geistessammlung. Kapitelsaal – beraten – Befolgen der Regel. Zelle – Rückzug – Einkehr. Küche – arbeiten – Dienst an Gemeinschaft. Refektorium – gemeinsam Mahl halten – Mäßigung. Krankenstation – pflegen – Nächstenliebe. – Im „Gerichtssaal“ (Kammer) wurde eingeladen, die Rolle des Rechtsprechenden („des Gerechten?“) einzunehmen: „Nehmen Sie auf dem Richterstuhl Platz!“ – Dann konnte man vorbei an Lastern und Todsünden wie Neid, Geiz usw. ins Totenreich gehen. – Denkwürdig: bei den SalesianerInnen (?) wurde zum Jahreswechsel Los gezogen und dementsprechend eine andere Zelle bezogen; dazu wurde der Name einer Heiligen mitgegeben. Die von ihr verkörperte Tugend sollte im Folgejahr besonders geübt werden.

Heute zerrann der Tag zwischen den Fingern. Ein Waldbad. Ich spüre mein Herz oft so stark, bin augenblicklich angespannt bei nichtigen Anlässen, fasse das als Spätfolgen der Trauer, des Schocks von damals auf. Es ist wie ein Depot, das durchs Allergeringste angezapft wird. Ausruhen allein tut es nicht. Später Michaels Mutter dazugeholt. Wenn sie schlecht drauf ist steckt das an. Aus 1001 Nacht vorgelesen; wenn sie zum 10. Mal sagt, es habe keinen Sinn, sie höre nicht und wolle lieber selber lesen, werde ich innerlich sauer. – Jetzt ist Michaels Geburtstagskuchen im Rohr. Damit er nicht überfordert wird mit Freuenmüssen, haben wir alles schon vorweggenommen, dass nur ja nichts als Geschenk daherkommt. Bloß keine Überraschung! Ganz wichtig, diese Eigenschaft einzubeziehen, um mich gegen eigene Enttäuschung zu wappnen.

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2 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Womöglich möchte Michael gar nicht, dass sein Geburtstag zur Kenntnis genommen wird, will gar nicht im Mittelpunkt stehen und besungen und hochgelebt werden. Wahrscheinlich hat das auch seine Wurzeln in der Kindheit. Bei meiner Geburtstagsneurose, die eher umgekehrt ist, hat es viel mit den Kindergeburtstagen von damals zu tun.
    Interessant, was alles als Tugend bezeichnet wird: Gemeinsam Mahl halten, lernen, beraten.

    • Heike sagt:

      Das mit den Geburtstagen ist ein richtiges Thema. Bei Michael kummuliert darin, dass er andere Gefühle haben soll als er sie hat. – Übrigens sind die Tugenden das, was als drittes genannt wird. Mahl halten ist die Tätigkeit, die Tugend ist das Maßhalten. Lernen ist das Tun, die geistige Sammlung die Tugend usw.

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