20-09-26- 1995: Peters Tod, Putz und Requiem für Verschwundene

Am 26. September ist Peter gestorben. 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert. Noch nie waren an diesem Tag winterliche Temperaturen. Wie es damals war weiß ich nicht. Da sind ganz andere Erinnerungsfetzen. Beim Wort Erinnerung fluten mich Szenen dieses Tages an. Wies`ntrubel auf dem Weg vom Krankenhaus zu den Eltern, wo die Kinder waren, um es ihnen zu sagen, Renate anzurufen, zurück ins Krankenhaus, danach ein launiger Taxifahrer und dann dieser erste Abend hier mit den Kindern. Am Tag der Beerdigung, 2. Oktober, hat alles geleuchtet, die Blätter, der Himmel, die Luft. Eine Frau, die ihren Mann an derselben Sache imselben Alter verloren hatte – flüsterte mir ins Ohr: eines Tages würde die Farbe zurückkehren, nicht würde alles grau bleiben. Dabei war nichts grau. Auf lange Zeit war ich gleichzeitig dumpf, wie unter Glassturz oder in Watte betäubt, und durchlässig, intensivst mit allen Sinnen empfindungsfähig unter diesem wahnsinnigen Trauma. – Heute aufgeräumt, mir fiel ein BiBaButzemann von Peter in die Hand; jetzt blitzt alles und es riecht nach Chlor. Normal gehe ich immer weg – was heißt immer!? Ursula war vier Monate nicht hier – heute wollte ich nicht raus. Es hat etwas Peinliches, für sich putzen zu lassen; ich kann schlecht – O-Ton Ariane – währenddessen Füße hochlegen und Zeitung lesen. So drücke ich mich verschämt hier herum. Ich konnte Ursula auf ein nächstes Mal festnageln. Sie kann meinetwegen auch Mitternacht kommen, wenn sie nur kommt. – Wir wollten abends noch eine Klanginstallation in St. Lukas besuchen für verschwundene Verstorbene. Türen verschlossen. Im Freien klettergerüstähnliche Gestänge? Hinterher dämmerte uns, dass man wahrscheinlich irgendetwas hätte abhören können (per Handy?), Biografien, Kompositionen. Nasskalt wie es war sind wir gegangen, bedröppelt über die Erkenntnis, dass wir ganz und gar aus der Zeit fallen.

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4 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Requiem für Verstorbene, so wie ich es von Brigitte verstanden habe, ist eine Hörinstallation.
    Diese gelben Stangen scheinen Lautsprecher zu sein.

  2. Heike sagt:

    Ja eben, Klanginstallation. Wir hatten uns aber vorgestellt, es sei innerhalb der Kirche, es hieß: rund um die Uhr „geöffnet“. So draußen im Sauwetter kann man sich ja nicht hinstellen und 70 Minuten lang Geschichten hören. Michael sagte: das wird es sein und ich hielt es nicht für möglich; nachher war es uns klar.

  3. Beate sagt:

    Fünfundzwanzig Jahre ist es her. Ich hatte nach langer Sendepause zwischen uns kurz vor seinem Tod mit ihm telefoniert. Wir hatten uns zufällig auf einem Konzert gesehen. Dann war der Brief mit seiner Todesanzeige im Briefkasten

  4. Ines sagt:

    Vor 25 Jahren kannten wir uns noch nicht. Aber 2 Jahre später habe ich dich als Witwe kennengelernt. Wie jung du da noch warst.

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