Beunruhigend
Heute geschah viel Gutes: Die Nachricht, dass mein Test gut ausgefallen ist! Negativ. Die drohende Quarantäne muss ich nicht erdulden. Sirena schreibt, dass es Janni besser geht. Trotz Halsschmerzen und Schnupfen stand sie heute wohl singend im Bad. Alina ist glücklich über ihre schöne Wohnung, die sie ab Mitte des Monats beziehen wird. Der Maler, der das Haus meiner Cousine Barbara geweisselt hat, wird einen Tag nach ihrem Umzug das Zimmer streichen. Dann habe ich ein Arbeits- und Gästezimmer und viel Platz für meine Sachbücher. Ich könnte also aufatmen, hätte ich nicht diese Unruhe in mir. ich habe am Wochenende angefangen, ein Buch zu lesen, das mich gleichermaßen fesselt und beschäftigt. Philippe Lancon, „Der Fetzen“. Lancon hat schwerverletzt den Anschlag auf Charlie Hebdo überlebt. Es ist die Geschichte eines Menschen, der sich mühsam den Weg zurück in sein Leben bahnt. Selten hat mich ein Buch so stark beunruhigt.
Dann wäre für diesen Mann genau der Pennebaker das Richtige gewesen, den ich gestern verkauft habe. Schreiben für schwer traumatisierte Menschen. Schrecklich. – Und: hat dein Maler viele Kapazitäten? – Hat Janni zum erstenmal wieder gesungen? Das erschüttert.
…ja, er hat seine Querflöte weggegeben, denn sein Unterkiefer war weggesprengt. An dieser Stelle habe ich geweint. So schrecklich. Der Maler: ich frag ihn mal!
Obwohl du sicher nicht geglaubt hast positiv zu sein, beruhigt das Ergebnis. Ein Gästezimmer hätte ich auch gerne, für meine Enkel.
Dass dich dieses Buch mitnimmt ist so verständlich, schon der eine Satz, den du oben schreibst, lässt erahnen wie tragisch seine Geschichte ist.