20-10-08-CoTaBu-Abstrich- muslimisch sterben-Nobelpreis

Mit Renate schwesterlich zum Testen ins Haupthaus gegangen, was gehörige Würgereize auslöste. – Hochinteressantes Angehörigengespräch mit Sohn türkischer Einwanderer, in dem alles an Leid, Diskriminierung und Wut auf unser System zur Sprache kam, aber auch höchst berührende kulturelle Einstellungen, die sich immer besonders bei den Muslimen zeigen. Es war eindrucksvoll für mich (auch die bedingungslose Verehrung und Hingabe an die Mutter) und ich hoffe, noch einmal mit dem jungen Mann anknüpfen zu können. Wieder das Beispiel einer Frau, die nach 32 Jahren bei Siemens keinen deutschen Satz spricht. Der Sohn sagt „beschämend“. Ich frage „für wen“? Ich fand es vor einigen Jahren diskriminierend, zu Sprachunterricht und Sprachtest zu verpflichten. Aber wenn diese kollektiven Erfahrungen ganze jahrzehntelang vergessene Bevölkerungsgruppen betreffen, die mehr als eine Generation hier überlebten, ohne sich sprachlich minimalst zu adaptieren, gibt das zu denken. Wie ist das mit AnalphabetInnen? Wo fängt man an? – Gerade eine Sendung über häusliche Gewalt gesehen. Sensibilisiert davon geht mir ein Licht auf. Das könnte auf die Patientin von heute zutreffen; genau so etwas entflohen, deklariert und unter den Teppich gekehrt unter dem Deckmantel mangelnder Empathie aufgrund der „Demenz“ des Ehemannes. Grobheiten, Herumschubsen, Schreie. – Enttäuscht über den Literaturnobelpreis an eine Lyrikerin, die hier wenig bekannt ist und die man auch nicht nachlesen kann, weil nicht aufgelegt bzw. vergriffen. Glück, man spricht Glick.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Ich habe auch oft Mütter in meiner Arbeit, die keinen deutschen Satz sprechen können, obwohl sie viele Jahre hier leben und andere, die die Sprache innerhalb eines halben Jahres lernen. Da spielt vieles hinein, nicht zuletzt Sprachbegabung. Ich frage mich oft, ob ich z.B Arabisch in Wort und Schrift lernen könnte, wenn ich in ein arabisches Land auswandern müsste. Persönliche Motivation, Unterstützung durch die Familie etc. Ich finde die verpflichtenden Sprachkurse gut. Ja, Coronatest ist unangenehm. Frau Glück kannte ich auch nicht. Bestimmt werden jetzt von ihr meht Gedichte ins Deutsche übersetzt.

    • Heike sagt:

      Es gibt ja diese Literatin und Übersetzerin von Frau Glück, Ulrike Draesner, wie ich gestern gelernt habe, die natürlich indirekt mit geehrt wird. Vermutlich muss nur neu aufgelegt werden. – Mit Sicherheit lernt sich eine Fremdsprache anders, wenn man schon andere Sprachen und v.a. die eigene gelernt hat, also schreiben kann und einen Begriff von Grammatik hat. Wenn man aber zu Hause türkisch sricht und in einem Putztrupp arbeitet, in dem kein Wort deutsch gesprochen wird, zum Türken einkaufen geht usw…dann fällt es einem nicht in den Schoß. Und man kennt auch nicht die Freude und Begeisterung an einer fremden Sprache, sondern bleibt feindlich umgeben, wenn man beispielsweise Analphabetin ist und noch Scham dazu kommt.

  2. Beate sagt:

    Sprachschwierigkeiten. Ich denke an den DMS- Kurs , den ich digital vorgestern absolviert habe. da kamen Begriffe vor, deren Sinn sich mir erst erschließen mußte. Ich denke an das Format, das ich mit „jungagiert“ federführend betreuen will Verstehe Bahnhof, wenn es um die zentralen Begriffe der verschiedenen Kommunikationsformen unter jungen Leuten geht, die in Tools erstellt und gebündelt werden. Will heißen: Die Schwierigkeiten, sich sprachlich zu verständigen, haben längst noch eine zusätzliche Ebene erreicht.

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