Gleichförmige Tage
Ich liege noch mit Kaffee im Bett, weil heute mal wieder mein freier Mittwoch ist. Neben der Kaffeetasse sind noch mein Erdedigungszettel und mein Tagebuch am Bett und natürlich das Smartphone, mein ständiger Begleiter. Die Türme des stillgelegten Heizkraftwerkes, auf die ich schaue, liegen im Nebel. Der graue Himmel unterscheidet sich kaum vom Grau der Türme und der Hauswand gegenüber. Dass ich hier vom Bett aus auf keinen Baum schauen kann, ist ein Nachteil. Da hatte die Gentzstraße eine hübschere Aussicht. Aber ich kann mich nicht beschweren. Die Wohnung hier ist auch im Winter schön warm und wohnlich mit ausreichend Platz für alles. Ich bin schon richtig hier angekommen. Die Wochentage im November im Teil-Shutdown verlaufen sehr gleichförmig. Vom täglichen Aufstehen und nach dem Frühstück, das bei mir immer gleich ist, zur Arbeit radeln. Dort eine Familie nach der anderen empfangen, Teams dazwischen, Berichte diktieren, nächstes Kind. Abends zurückradeln, mit Hubert Abendessen, Tagesschau, Film schauen, SZ online vom nächsten Tag lesen und dann im Bett noch im Buch ein paar Seiten bevor wir eng umschlungen einschlafen. Mittwochs versuche ich, die Routinen zu verändern, aber oft läuft auch dieser Tag sehr ähnlich ab mit Yoga, Einkauf, Kochen, Termine, Telefonieren. Ich bin ein ausgesprochener Gewohnheitsmensch. Ausnahmen vom Alltag muss ich mir vornehmen. Eigentlich hätte ich heute meinen Yogakurs. Wegen des Verbots von Sportangeboten findet er heute das erste mal online statt. Ich bin aufgeregt, ob die Technik klappt. Es soll so sein, dass die Lehrerin jede von uns 7 Teilnehmetinnen auch sehen und bei den Übungen korrigieren kann. Das wird jetzt wohl die Zukunft werden. Die frohe Botschaft, dass es einen Impfstoff gibt, nehme ich erst mal mit Vorsicht auf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben schon bald so wird wie vor Corona. Positiv an den Masken und dem Abstand ist, dass man sich auch mit anderen Erkältungskrankheiten nicht ansteckt. Früher bin ich um diese Jahreszeit oft schon 1 mal krank gewesen.
Guten Morgen, liebe Ines, hätte ich heute frei, könnten wir uns auf einen Telefonbesuch verabreden! Also…eng umschlungen, mein Gott, lang, lang ist`s her, denke ich mir da…dann: Impfstoff? Wie soll in so kurzer Zeit alles abgewogen sein, außerdem soll das Virus ja bereits Mutationen gebildet haben…und: Sport online..besser online als nichts…und, ganz wichtig: der Blick aus dem Fenster. Meine (Ex-)Wohnungen messe ich teilweise genau daran. Den Blick (Grün, Abendrot, Mortenrot, Berge überm See in Feldafing) habe ich manchmal vermisst und am Anfang nicht wichtig genug eingeschätzt, überhaupt war mir das ganz früher egal. Hier z.B. mag ich den Blick erst nach vielen Jahren, erstens, weil die Bäume inzwischen über meine Fenster hinaus gewachsen sind und weil ich einen anderen, neuen, intensiven Bezug zum Himmel habe.
das Gleichmaß bedeutet auch Geborgenheit . Es klingt schön, wie Du deinen Alltag beschreibst, den Platz in der Wohnung, die Zweisamkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben so weitergehen wird wie vor Corona. Da sind so viele Weichen neu gestellt worden. Aber wir können unseren Alltag vielleicht ein wenig unbeschwerter neu ordnen. Seit Alina ausgezogen ist, habe ich übriges vom Schreibtisch aus auch einen neuen Blick aus dem Fenster!
Ich mag eine gewisse Regelmäßigkeit auch sehr. Online-Yoga auch seltsam. Corona stellt ganz neue Regeln auf.