20-11-17-CoTaBu – Konflikt-potenzial + Corona-Notstand
Befremdet über Sohn, dessen Vater wir unter Mordsdruck – seinem, der zu meinem wurde – von Straubing geholt haben, damit der sich die 320 km Fahrtweg spart und der jetzt allenfalls alle zwei bis drei Tage auf einen Sprung hereinschneit. Heute nachgefragt. Der depressive Patient lässt nichts an sich heran, scheint nur auf den Besuch seiner Frau zu warten. Die sitzt im Heim in München in Quarantäne fest, angewiesen auf den Sohn. Der Patent stürbe ihnen wartend unter den Händen weg, sagt Christine. Ich dem Sohn eingeheizt, er soll sich auf die Hinterfüße stellen. Binnen Minuten grünes Licht. Die beiden kommen; Patient zeigt kaum Regung, nachher aber hat er eine „sehr vertrauliche Frage“ an A., den Pfleger: ob der für ihn Lotto spielen könnte. Beim Thema Geld kommt Leben in die müdesten Glieder. Sohn und Mutter voll Aufopferungsgebahren nach 20 Minuten wieder draußen. Mitgefühl heischend führte der Sohn sein Alleinerziehendsein ins Feld. Dass es sich nicht um einen drei- , sondern um einen 19-Jährigen handelt, der nach dem Abitur zum Vater gezogen ist, wurde mir später klar. Dann Gespräch mit der Schwester unserer 32-jährigen Hirntumorpatientin. Die tritt so fordernd und vorwurfsvoll auf, dass sie die Pflege gegen sich aufbringt. Es ist dieselbe, mit der schon anfangs unendliche Stunden gesprochen wurden. Am Ende steckte Sonja währendessen den Kopf bei mir rein und holte mich kurz raus: Ob ich mich um EinspringerInnen kümmern könnte? Neue Krankmeldungen im Pflegeteam lösen Notstand aus: Jemand hüstelt, muss zu Hause bleiben. Eine ab morgen in vorsorglicher Quarantäne wegen Verdachtsfall im Kindergarten. Viele Ehrenamtliche fallen selber aus. Z.n. OP, Knie, Krebs, Schmerzklinik. Ich hoffe hier noch auf Reaktionen auf meinen Appell.
Ach , Mensch. Die Angehörigen sind eine große Aufgabe. Die Mischung aus Mitgefühl und Grenzsetzung ist eine Gratwanderung wie bei Kindern. Dass der Patient am Ende noch mal Lotto spielen will, ist irgendwie komisch. Er hat gar nichts zu verlieren aber auch nichts zu gewinnen.
Welch seltsames Ansinnen, noch einmal Lotto spielen zu wollen, wenn schon schier alle Kraft aus dem Mann gewichen ist. ein anstrengender Tag. Liegt es in der Luft, dass zu viele Betreuer ausfallen werden?