20-11-19-CoTaBu-Erfüllt vom Perspektivenwechsel

Am Spätnachmittag wollte ich in die Hospizhelferrolle schlüpfen, fragte dann aber, ob ich früher kommen solle. Wenn es mir wirklich nichts ausmache… Ob ich einfach nur auf die Glocke gehen könne? So bezog ich um 15:00 Stellung. Ich wollte es mir schon hinter der Zeitung bequem machen, da ging es gleich los. Kaffee/Kuchen für Herrn S., der penetrant darauf hinwies, dass die Kollegin schon länger mit dem Kaffee säumig war (die sich sichtlich anderweitig die Hacken ablief) bis ich überherzlich anmerkte, dann müsste er vielleicht eher ins Hotel gehen (klare Fehlbesetzung bei uns, der Patient). Frau H., die sich nicht rühren kann, juckte der Rücken (eines der ganz fiesen Symptome). Mit Waschlappen unter ihrer charmanten Anleitung Rücken geschrubbt. Bei der jungen Frau Abendessen hergerichtet, das ihre Schwester eingab (sie allein manscht, stopft sich den Mund voll, spuckt es dann aus). Später für sie vorgelesen, auch wenn sie`s nicht versteht, Füße massiert, Schlaflieder gesungen. Sie kann „ja“ sagen, wenn ich sie frage und „danke“, konnte sogar, als sie sich anhaltend überall kratzte sagen: „Creme“, also eingeschmiert. Bei Herrn M. regelmäßig nachgeschaut, ob er noch lebt, dem Enkel Bier serviert und zugehört (der, den der Vater „allein erzieht“). Tabletts hergerichtet, aufgetischt, abgeräumt. Telefon. Hausglocke. Spülmaschine, Mülleimer. Angehörige. Für Christine und Felix Brotzeit auf- und abgedeckt. Soviel Tuchfühlung mit Patienten habe ich lang nicht gehabt. Keine Berührung mit wirklich Pflegerischem, dazu hatten die beiden Fachleute Zeit. Als Dritte im Bunde war ich heute nicht überflüssig. Ein bewegender Rollen- und damit Perspektivwechsel für mich, ich bin ganz erfüllt. Mit Christine in dieser Situation ein Herz und eine Seele.

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Eine Antwort

  1. Ines sagt:

    Ich glaube, vielen Menschen würde so ein Perspektivenwechsel gut tun, mich eingeschlossen. Ich hab viel Respekt davor.

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