20-11-23-CoTaBu-„Gott“ – und wie`s mich aufmischt

Natürlich habe auch ich den Abend mit „Gott“ verbracht. Was mich nervt ist die falsche Behauptung, Depression sei gut behandelbar und die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen nicht nur über ihren Tod, sondern auch über ihr Leben zu verfügen glauben. Wer hat bei seiner Zeugung mitgeredet, wer bei seinem Schicksal? Hineingerufen und abberufen werden und dazwischen „das andere“ statt „Glück als Lebensziel“. Der Film enthielt m.E. differenzierte kontroverse Argumente und Standpunkte, Fakten und Begrifflichkeiten, mit denen nicht jeder alltäglich umgeht. Ich mutmaße, die meisten haben dennoch für das gestimmt, was für sie ohnehin feststeht. Selbstbestimmung als Credo und Volkes Stimme der Jetztzeit. Mir ist schleierhaft, wiewenig die Möglichkeit eines selbstverantworteten Suizids erwogen wurde, als gebe es nur die bequeme Lösung mit dem Arzt, der für Beschwerdefreiheit sorgt, für ein Sterben in Vollnarkose. Es brechen nicht alle Dachbalken, nicht jeder muss sich von Zugführern zerkleinern lassen. Dank Internet sollte es möglich sein, einen halbwegs sicheren Tod zu wählen, ohne die Verantwortung einem anderen aufzubürden. Ein Anspruch auf ALLES, sogar auf einen komfortablen Suizid, ist das Gebot der Stunde. Überspitzt: ein Rechtsanspruch darauf, Leid ausklammern, Sicherheit und Kontrolle erzwingen zu können, wo es naturgemäß keine gibt.

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3 Antworten

  1. Renate sagt:

    An der Frage nach einem selbstdurchgeführten Suizid, bzw. warum der nicht in Frage kam, bin ich auch gescheitert. Sicher ist dass es andere Möglichkeiten gibt, als die im Film geforderte. Interessant war dieses Kammerspiel allemal.

  2. Ines sagt:

    Deine Betrachtungen zum Leben und Sterben finde ich äußerst interessant. Ich selber hab den Film nach einer halben Stunde ausgemacht. Das war mir irgendwie zu viel und ich fand die ganzen bekannten Schauspieler in ihren Expertenrollen aufgesetzt und angestrengt. Da hätte ich lieber echte Experten gesehen.

    • Heike sagt:

      M.E. haben die Schauspieler echte Experten exzellent vertreten, wir haben diese Ausführungen in der „Szene“ ja regelmäßig, es war wirklich sehr gut vertreten und recherchiert, auch die Perspektive der verschiedenen Berufsgruppen.

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