20-12-16-CoTaBu-Betrachtung zu berufsethischen Fragen
Ein Exkurs mit der Bitte, meinen Kommentar an Ines voraussetzen zu dürfen. Ines` Idee war, zum Themenkomplex Suizidalität zu sagen: „Da kenne ich mich nicht aus.“ Das hat mich nachdenklich gemacht. – Vielleicht kennen wir im Hospiz uns damit besser aus als man landläufig meint. Hospiz steht öffentlich für „Sterben in Würde“. So einfach ist es nicht. Viele Schwerkranke spielen mit dem Gedanken „in die Schweiz zu fahren.“ Andere sagen drastischer: „Jeden Hund würde man erschießen!“ Es gibt viel Verzweiflung im Zusammenhang mit der Unerträglichkeit. Unter dem Begriff „nicht-mehr-Können“ besteht ein lebhafter Diskurs in der Fachszene. Eine Sprechstunde bei den BB: „Weiterleben in Würde“ wird als Gegenmodell zur Beihilfe zum Suizid angeboten. Wir haben mit unendlich viel Ambivalenzen zu tun. Sterben wollen und doch alles tun, um zu leben. Leben wollen, wenn es gerade schmerzfrei geht. Leben wollen, obwohl eigentlich nichts mehr geht. Sterbenwollen als anhaltender Zustand und Ausdruck von Depression. Ich kann nicht alle Spielarten aufzählen. Diese Themen gehören zu unserem täglichen Brot. Der Unterschied in diesem letzten Fall war, dass der Patient keine Krebs- oder neurologische Erkrankung hat. Ganz wichtig: den freien Willen ermitteln. Ist der eingeschränkt? Gibt es regelmäßig Situationen – nach 30 Jahren Querschnitt – bei denen die Unterlassung von Maßnahmen in palliative Richtung führen könnte? Wieweit ist dieser Wille dokumentiert, besteht er kontinuierlich? Wurde mit dem Arzt darüber gesprochen? Unterschiedliche SAPV-Teams haben unterschiedliche Haltungen dazu. Die Anfrage war also nicht absurd. Sie landete bei Renate. Sie gibt sowas weiter. Wäre sie woanders gelandet? Vielleicht wäre sie nicht weitergegeben worden. An wen du dich auch wendest: wer sollte sich „zuständig“ fühlen? Die meisten würden versuchen, dich von deinem Ansinnen abzubringen und/oder die Psychiatrie ins Spiel bringen. Oder mit Hilfsmaßnahmen kommen, die alle schon ausgeschöpft sind. Mein Berufsethos – ja, ganz hoch gegriffen – würde mir verbieten, mich demgegenüber zu verschließen. Dieser Beruf umfasst ein weites Feld, wenn man so will.
Es sind die elementaren Fragen des Lebens, mit denen du dich auseinandersetzt. Es gibt keine vorgefertigten Antworten. Bestimmt haben nicht viele diesen Berufsethos, wie du ihn beschreibst. Ich achte das sehr, könnte es selber nicht.
Oh, mir geht es wie Dir, Ines! Grundsätzliche Fragen, die immer wieder neu aufgeworfen werden, für die es keine eindeutigen Lösungen gibt. Ein Lebensthema, um die viele Menschen einen gro0en Bogen machen, als ginge es sie nichts an. Zu denen gehöre ich wohl