20-12-17-CoTaBu- Geduld als Tugend+Weihnachtliches
Da bei mir kein Weihnachten stattfindet brauche ich nichts herzurichten, dachte ich. Einen kleinen Ansatz habe ich für Beates und meine Adventslese gemacht. Amaryllis; Kerzen in bunten Gläschen, ein paar Englein und Nachtigallen in den Leuchtzweig gehängt. Immer wieder fällt mir ein, ich könnte doch einen klitzekleinen Baum….?! Zudem ist mir jetzt Lollos Schmuck in die Hände gefallen! Ines` Thema Schmuckfusionierung braucht einen eigenen Platz…vielleicht morgen? – Derzeit besuche ich eine Patientin, die von den Schwestern als so „verloren“, wie „wartend auf etwas“ wahrgenommen wurde. Sie ist so bescheiden, auch etwas einfach, dass sie nie was fordert; manche können dieses Warten auch nicht artikulieren und zuordnen; auch ein Aspekt der Geduld!, sogar im Angesicht des Lebensendes. Ich fragte sie, ob der Seelsorger zu ihr käme? Nur einmal. Die Harfe? Nein, kennt sie nicht. Irgendwie ist sie durch alle Maschen gefallen. Jetzt statte ich zweimal wöchentlich meinen Besuch ab. Genau über Weihnachtliches kommen wir ins Gespräch: eine handbemalte Glaskugel (woher sie kommt, dass sie noch mehr hat, dass sie – wie bei mir – an verschiedenen Orten liegen und sie nie weiß wo). Ein Glitzerbäumchen, das bei Dunkelheit selber leuchtet. Inzwischen lese ich ihr sogar vor (Brecht). Darüber kamen wir auf Armut – heute bringe ich ihr deshalb Tolstois „Hemd-des Glücklichen“ mit, Beate! Sie schiebt mir ein Schokoengelchen hin, ich ihr einen Nikolaus. Wenn ich komme setzt sie sich auf und baumelt mit den Füßen. Es geht so leicht. Über den Schmuck kommen wir auf ihr ganzes Leben, ihre Tochter, ihren Mann, den Beruf (Bäckereiverkäuferin), ihre Trauer und auf alles, was gut ist. Dass sie zwischendurch ihr Tracheostoma säubert…muss halt sein. – Inzwischen haben Deichmanns das Foyer und den Brunnenhof in zweitägiger, geduldigster Arbeit in eine Weihnachtsstube verzaubert: wunderbare Bäume, die Krippe (noch ohne heilige Familie), Lichterketten, Sterne, goldene Kugeln.
Was für ein Geschenk solche Gespräche sind. Es kommt mir so vor, als bräuchte die Patientin dieses Sprechen, das sie nicht eingefordert hat, weil sie ja eh so bedürfnislos ist, um abzuschließen. Fast wäre sie durch alle Maschen gefallen. Zum Glück hast du diese Zeit jetzt für sie.
Ah, von Tolstoi ist“Das Hemd des Glücklichen“! Wo hast du es gefunden? Wie schön, dass Du einen Zugang zu der Patientin gefunden hast, sie braucht dich sicher sehr!
So sehr nun auch wieder nicht, es ist ganz unspektakulär! Und ich hab einfach Hemd und glücklich usw. eingegeben…