Singen und Tabuthema

Bevor ich jetzt ins Wochenende nach Hause gehe und dann wieder eingenommen bin von Hubert und Luisa, schreibe ich jetzt noch etwas von der Arbeit aus in den Blog. Da heute früh ein Kind ausgefallen ist, hatte ich etwas Zeit, aus dem Internet die wichtigsten Weihnachtslieder mit Noten und Text herauszusuchen. Ich habe die Noten für Heilig Abend für jeden von uns kopiert. Das Singen am Christbaum ist für mich und meine Kinder ja sehr wichtig und ich möchte es gerne beibehalten, auch wenn Luisa und Hubert das noch nie gemacht haben. Hubert meint , er kann gar nicht singen und ich tendiere dazu, es ihm zu glauben. Dennoch bestehe ich darauf, dass wir zusammen das ein oder andere Lied anstimmen. Ich bin gespannt, ob wir das hinkriegen. Früher war Sören immer unsere starke Stimme, jetzt muss ich das übernehmen, da es kein anderer macht. Die letzten Tage hatten wir immer wieder Gespräche mit Luisa. Sie ist am letzten Montag an den Mandeln operiert worden und seit 4 Tagen mit viel Schmerzen beim Schlucken daheim, nimmt aber ordentlich Schmerzmittel, weil es sonst wohl nicht erträglich ist. Aber sie ist sehr glücklich mit ihrer Beziehung und das wirkt sich auf ihre Laune und ihre Heilung hoffentlich auch aus. Inzwischen habe ich Sophia, so heißt die Freundin, schön öfter gesehen, weil sie täglich tagsüber kommt und Luisa Gesellschaft leistet. Sie hat wirklich so eine Ausstrahlung wie ein „Bursche“, gar nichts Feminines. Sie ist sehr nett und hat ein offenes Gesicht, so wie ich es jetzt beurteilen kann. Am nächsten Montag wollen wir dann das erste mal gemeinsam Abend essen und sie ein bisschen besser kennen lernen. Ihre Eltern sind Griechen und sowohl die Geschlechtsidentität als auch die sexuelle Orientierung ihrer Tochter ist ein Tabuthema, nachdem es einen Riesenkrach gegeben hatte als Sophia mit 17 Jahren ihren Eltern gesagt hat, dass sie Mädchen mag. Seitdem wird nicht mehr darüber gesprochen. Sophia hat Angst, es den Eltern zu sagen, weil sie glaubt, dass die Eltern es nicht akzeptieren und sie dann den Kontakt abbrechen.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

3 Antworten

  1. Heike sagt:

    Gott, selbst heute noch in unseren Zeiten solche Vorbehalte, das ist schon schlimm! Wenn sie wenigstens einfach nu7r lesbisch wäre, aber das scheint ja schon zu schlimm für die Familie! – Die Sache mit dem Singen…wirft bei mir gleich Gott weiß was auf!!

  2. Beate sagt:

    ich fühle mich erinnert an meine lesbische Kollegin, der es sehr schwer fiel, ihrer sehr konservativen und sehr katholischen Mutter zu erzählen, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. In unserer Arbeit war es ein streng gehütetes Geheimnis, ich glaube, au0er mir wusste lange Jahre niemand davon.

  3. Renate sagt:

    Das scheint in einer griechischen, wahrscheinlich sehr traditionellen, Familie ein absolutes no go zu sein.

    Wir singen auch immer unter dem Weihnachtsbaum.

Schreibe einen Kommentar zu Heike Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert