Autistenschwemme und Besucher
Heute war mein vorletzter Arbeitstag für dieses Jahr. Morgen noch mal einen vollen Tag hinter mich bringen und dann hab ich 12 Tage frei bis zum 4. Januar. Im Moment haben ich wieder eine Schwemme von autistischen Kindern. Ich und auch die Kollegen können sich nicht erklären, wie es zu so einer Vielzahl kommt. Früher hatten wir viel weniger von diesen Kindern. Es ist echt geheimnisvoll, wieso diese schwere und tiefgreifender Störung so zugenommen hat. Heute hatte ich wieder 2 davon. Gestern Abend war mein Sohn zu Besuch und heute Abend haben wir mit Luisa und Sophia Abend gegessen. Da ich auch den ganzen Tag mit Patienten und Kollegen zu tun habe, kann von Einsamkeit oder Kontaktbeschränkung keine Rede sein. Mit Jaron war es schön, aber ich bin auch froh, dass er nicht hier bei uns lebt. Es entsteht nur schwer ein fließendes Gespräch mit ihm. Mit Sophias Freundin, die genauso alt ist, war es ein Leichtes, ins Gespräch zu kommen. Sie ist ziemlich selbstbewusst, redet auch gerne und unterhaltsam. Sie ist mit Realschulabschluss und Lehre als Lanschaftsgärtner jetzt an einem Punkt, wo sie sich nicht weiter entwickeln kann. Deshalb will sie Abitur machen und studieren. Ich trau es ihr zu und wünsche ihr, dass sie das Richtige findet. Zur Terminologie hab ich noch was gelernt. Wenn eine Frau einen non-binären Menschen liebt, ist sie nicht lesbisch, sondern quere (englisch ausgesprochen).
Oh Gott ist das schwierig. Ich weiß noch, als ich das erste Mal das Wort quere gehört habe, null Ahnung, was es bedeuten sollte. Sr. Therese hat so eine Sprechstunde: palliative Beratung für die „quere comunitiy“, so oder so ähnlich. – Als ich junge Studentin war galt Bettelheim noch als großer Experte für Autismus. Bei ihm galt es als in Kindheit bzw. vorgeburtlich angelegte Störung, die in seiner Einrichtung heilbar schien, solang die Eltern die Kinder nicht rausgeholt haben.
wenn der Tag so voll an Arbeit mit den autistischen Kindern ist, stelle ich es mir schwierig vor, den Abend noch in voller Aufmerksamkeit den jungen Menschen zu begegnen. ich wünsche Dir sehr, dass Du die Weihnachtsferien in vollen Zügen genießen kannst!