21-01-10-CoTaBu-Neurotisches Nachspiel umfänglich gelöst

Früh: Mein vorletzter freier Morgen. Weißbezuckerte Bäume, Schnee und Rauhreif vor undurchdringlich verhangenem Himmel. Durchs gekippte Fenster kommt es eisig. Mir hängt der verunglückte Zoom-Geburtstag nach. Hätte ich geahnt, dass ich leiden würde, hätte ich das für mich klar verneinen sollen. Bei jeder Arbeitskonferenz wird man namentlich freundlich begrüßt. Gestern war es, als sei ich gar nicht „reingekommen“. Es hatte etwas von einem Albtraum – wie wenn die Toten im Roman unter den Lebenden geistern, ohne wahrgenommen zu werden.

Am Arm ist ein Knubbel entstanden, bei Nachfühlen wie ein Stich rot, dick und minimal juckend.

Kürzlich hatte es Michaels Mutter geschafft, kurzfristig auszubüchsen. Eingefangen und befragt, wo sie denn hinwollte: „Nach Hause“. Im Rollator hatte sie Lackschuhe. Letztes Mal hatte sie ein Nachhemd im Gepäckbeutel.

Abend: Ausgiebiges Telefonat mit Ariane. Alles bestens. Für sie war es prima, wie es war – ihre Perspektive herrlich konträr! Ich kann mich neurotisch reinsteigern, was sich mit Glück schnell auflösen lässt. Selten ahnt der andere Mensch, auf den ich alle Verlassensängste projeziere, davon. – Heute bin ich gar nicht vor der Tür gewesen. Stattdessen Weihnachtsdeko abgeräumt. – Immer stehe ich in Simons Zimmer und sinniere, wie ich es verändern soll. Einen kleinen Salon daraus machen? Eine Teestube? Oder ein richtiges Schlafzimmer?

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4 Antworten

  1. Renate sagt:

    Meine demente Tante, die Schwester meiner Mutter, wollte auch immer nach Hause, bis sie geschlossen untergebracht wurde.
    Wie beruhigend dass du dich nicht mehr quälen musst, wegen der Zoomgeschichte.

  2. Beate sagt:

    es ist ja schon sehr eigenartig, dass ihr euch schon so lange kennt und dieselbe Situation so unterschiedlich erlebt habt.an zoom Meetings kann man glaube ich keine gro0en Ansprüche stellen. Da ist Small talk und sich sehen und über die Kapriolen, die das Format macht lachen angesagt.

    • Heike sagt:

      Es ist ein Unterschied, ob du im Mittelpunkt stehst, gemeinsam vor den Bildschirm kommst, immerhin die Gäste kennst, die dir dein Mann eingeladen hat…Gott sei Dank ging es Ariane anders, und dann gab es ja auch noch einen Tag vorher und nachher.

  3. Ines sagt:

    Ja, zum Glück hat es sich aufgelöst. Diese Verlassenheitsängste, von denen du sprichst, muss ich mir bewusst machen. Ich würde Sie sonst nicht bei dir bemerken.

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