Robert Plant, Buch und Arztgeschichten
Meine Nachbarin hörte so laut Musik, dass das Haus wackelte. Robert Plant, Jimmy Hendrix und Bob Dylan. „ich kam vom Joggen und brauchte die volle Dröhnung“, schrieb sie in die Hausgruppe am Abend, sozusagen um sich zu entschuldigen. Alle kommentieren es mit lustigen Bemerkungen. Das mag ich an unserer Hausgemeinschaft.Sogar die von mir durchaus nicht geschätzte Nachbarin, die sich sonst mit ihrer Blockwartmentalität unbeliebt macht, schrieb, sie könne gut verstehen, dass laute Musik hören mal sein muss.
Was mich sehr bewegt: Ich erhielt heute Auszüge aus einem Buch, „Aufprall“, das eine Bekannte aus meiner Berliner Zeit veröffentlicht hat. Sie ist, wie so viele aus der damaligen Szene, inzwischen in Amt und Würden, mit einem Professor verheiratet, sie selbst eine Nummer in der Kulturszene, hat viel veröffentlicht und taucht auch ab und an im Fernsehen auf. Das Buch handelt von dem Abschnitt, in dem ich damals ein Stück weit mit ihr zu tun hatte, sie war eine gute Freundin von Sirenas Vater. Natürlich kommen wir beide darin vor, mit anderen Namen. Ich habe mich geärgert, ja, war empört über die Haltung, die sie in dem Buch offen legt.Immer wieder hat es mich beschäftigt, warum sie nicht (wie ich) einen radikalen Bruch vollziehen musste mit all dem Unsinn, den wir damals auch im Kopf hatten. Sie verkauft genau diesen Unsinn damit, dass wir damals schon als eine Avantgarde der Zeit voraus gewesen seien. Na ja, ich werde mir den Band kaufen. Die Berliner Zeit endete für mich mit einem radikalen Bruch, für sie blieb sie der bunte, chaotische Aufbruch in ihr unangepasstes Leben.
ich werde besonders am Donnerstag und am Freitag Nachmittag im Gesundheitsministerium gebraucht. Deshalb habe ich ab jetzt immer am Montag frei. das war gut so heute, denn Sirena brauchte ganz schön viel Hilfe.Sie musste heute zum Arzt und zur Krankengymnastik. Sie schaffte den Weg von 250 m nur sehr mühsam und mit Hilfe eines jungen Mannes, den ich unterwegs zu Hilfe rief, um sie mit mir gemeinsam zu stützen. Sirena braucht unbedingt eine Haushaltshilfe. Sie darf nicht heben und erst in zwei Wochen darf sie sitzen. Bis dahin soll sie im Bett liegen und ein bisschen mit Krücken rumlaufen.
Dreierlei so Unterschiedliches – ich wusste nicht, dass ihr eine Hausgruppe habt!Toll, wenn man so verbunden ist. – Dann die Berlingeschichte. Der radikale Bruch war ja sehr persönlich motiviert, da staune ich, die ja nicht dabei war, dass dich die andere Haltung direkt „ärgert“. Man guckt eben nicht rein. – Und Sirena: verständlich, dass Krankenhaus keine Wunschoption ist, aber unter den Bedingungen zu Hause muss eine Qual sein.
Die Joggerin hat keinen schlechten Musikgeschmack, da kann die Hausgruppe schon ein Auge zudrücken. Nach dieser OP sind selbst kurze Strecken für deine Tochter eine Herausforderung und du, bist und bleibst gefordert.
250 Meter können lang sein. Die Haushaltshilfe ist sicher gut, aber wer begleitet Sirena zur Physio? Die Reha zu Hause scheint mir nicht gut durchdacht zu sein.