21-01-13-CoTaBu-Neuanfang,Träume und ein neuer Poncho

Wie immer, wenn es einen Kummer oder einen Konflikt gibt, geht mir die Luft zum Schreiben aus, v.a. wenn ich darüber nicht ungehindert schreiben kann. Seit gestern trete ich wieder an. Heute war es schon leichter als gestern, als der Wecker bei schwarzer Dunkelheit losging. Dass Ines kürzlich schrieb, sie lese ihre Träume nie nochmal durch, hatte das einen merkwürdigen Effekt auf mich. Unmerklich ziehe ich plötzlich ihren Wert in Zweifel. Über vierzig Jahre lang habe ich sie mit Feuereifer geschrieben, gelesen, bewahrt. Auf einmal habe ich kaum Elan dafür, fand sie kürzlich beim Lesen erstmals banal, hatte heute keine Lust dazu, obwohl ich voll von Träumen war. Ich war stets fasziniert, dass ich mich nur hinsetzen und einen Stift in die Hand nehmen muss, und schon fließt es, ohne dass ich noch Erinnerung hätte – ein Hauch davon genügt! Was es mit diesem hoffentlich vorübergehenden Sinneswandel auf sich hat möchte ich noch ergründen. Mir war es zwei Drittel des Lebens erstrebenswert, diesen unbewussten Teil ins Bewusstsein zu holen, soweit dies die Natur zulässt und damit diesem Geheimnis Gewicht zu geben. – Ansonsten erfreue ich mich eines neuen Kleidungsstücks, eines lindgrünen Ponchos, den ich zu kräftigen Rot und Orangetönen trage. Eine Kombi, die ich mir zufällig abgeguckt habe, als ich auf einer der norwegischen Wolldecken saß zum Schuhebinden. Früher, am ersten Schultag nach den Ferien, war es mir eine besondere Erhebung, neu eingekleidet zu erscheinen im narzisstischen Gefühl, jeder müsse das wahrnehmen.

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5 Antworten

  1. Ines sagt:

    Jetzt muss ich kurz klarstellen, dass ich den Wert von Träumen als sehr hoch einschätze. Sich am nächsten Tag den Traum bewusst zu machen, ihn aufzuschreiben oder jemandem zu erzählen, finde ich auch hilfreich, zumal es doch die Sprache des Unbewussten ist. Nur mag ich die Träume später nicht noch mal lesen. Das widerstrebt mir aus irgendeinem Grund.

  2. Renate sagt:

    Hoffentlich hat heute jemand dein neues Outfit gewürdigt, wie du es dir in Schulanfangszeiten gewünscht hast. Ob du deine Träume auch die nächsten 40 Jahre noch aufschreiben und lesen willst?Ist der Hinweis von Ines etwas was schon in dir geschlummert hat?

  3. Heike sagt:

    Ja, es war wie am ersten Schultag und ja, mein leuchtender Poncho wurde wunschgemäß gesehen. V.a. fühle ich mich damit so toll. Und ja, ich hoffe, meine Abkühlung gegenüber meinen Träumen verfliegt wieder.

  4. Beate sagt:

    die Welt der Träume festhalten, immer wieder lesen, dazu habe ich mehr Zugang als dazu, was ich sonst so veranstalte im Laufe der Jahre… du hast ein neues Lieblingskleidungsstück: wie schön!

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