21-01-14-CoTaBu-Bunter Auftakt und literarische Gabe

Die erste Arbeitswoche mit vielenvielen Telefonaten, schönen, freudigen, freundlichen und weniger erfreulichen, liegt hinter mir. Ein altes Mütterchen sagte heute mit brüchiger Stimme: „Sche, dass i eana scho so guat kennaglernt hob.“ So hab ich es auch empfunden. Vor allem, wenn jemand über die puren Fakten zum Menschlichen kommt. Gestern spannend ein Telefonat mit einer „Dame“, die ihren Mann (dem Gregor und Sonja schon vor meiner Rückkehr die Aufnahme zugesagt haben) so gebildet, begabt, sportlich, vornehm und „wat janz Besonderet“ vorgestellt hat. Nichtmal Fragen wie ob er schon bettlägerig ist konnten geradeheraus beantwortet werden. „Das Wort Schlafanzug ist ein Fremdwort für ihn.“ Nach dem Geisteszustand befragt, ob er sich noch irgendwie beschäftigen könne – sehr wichtige Frage: er säße in der Palliativstation am Klavier. Er verfolge die Tagespresse. Ob er nicht am Ende zu vornehm ist, krank zu sein oder gar zu sterben? Sollte es menschliches Versagen sein, hilfsbedürftig zu werden? Schützen wir uns, indem wir uns darüber erheben? Wie er sich bei uns zeigen wird? Wie mag es es zu dieser Zusage gekommen sein? – Ansonsten schöne Wiederbegegnungen mit KollegInnen und PatientInnen. Meine literaturbereite Bäckereiverkäuferin hat für mich von zu Hause Heftchen mitgebracht aus dem Seniorenheim (ihrer Mutter) voller Geschichten, Gedichte, Sinnsprüche, Psalmverse, Rezepte. Die schenkt sie mir! Sie sagte für „solche Röllchen“, (das Gedicht, das ich an Weihnachten mitgebracht hatte); sie denkt also auch an andere! – ich würde doch „solche Sachen machen“. Freude!! Stimmungsmäßig bekommt mir das Arbeiten sehr gut und hebt den Energiepegel. Statt zu laufen oder gar Schritte zu zählen lasse ich mich von Michael chauffieren.

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4 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Das ist echt süß, dass sie dir die Heftchen mitgebracht hat, sehr rührend. Ja, da ist was los in deiner Arbeit. Auf den begabten vornehmen Mann bin ich auch gespannt. Ich bemerke übrigens, dass du fleißig „genderst“ ( Stichwort KollegInnen)

    • Heike sagt:

      Letzteres hat uns Renate eingebläut!! Vom ersten Tag an…sie hat uns da nichts durchgehen lassen! Und dann die Masterarbeit, ich bin auf ewig kuriert.

  2. Renate sagt:

    Geschichten aus dem Hospiz, immer wieder gerne. Gelungen das bayrisch sprechende Mütterchen und die berlinernde Dame.

    • Heike sagt:

      Den Berliner Dialekt hatte sie nicht, den habe ich nur eingefügt zur Veranschaulichung. „Wat janz Besonderet“ hat sie auch nicht gesagt, das hätte ich noch charmant gefunden. So war es einfach nur eingefleischter Dünkel!

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