21-01-17-CoTaBu-Unterwegs im Tiefschnee+jetzt am Kamin

8:30 – Draußen Schippgeräusche, es schneit – alles ist weiß. Gleich treffe ich Beate zum Spaziergang. – Geträumt von der Wohnung meiner Eltern an der Bayerstraße. Ich war mit vielen Leuten zu Besuch, sie hatten zehn Betten, und Jakob – merkwürdig inzenstuöser Traum – war mein Liebster (?), was sie nicht wussten. So hatten sie ihm ein Zimmer zugewiesen, ich habe aber das ihre für uns genommen (das Feldafinger Ehebett). Am nächsten Tag sollte Anna kommen, und dann konnten sie weiter drinbleiben. Bine steht nackt mit einem Handtuch bedeckt vor meinem Vater in Unterhose. Man muss wegen einem abendlichen Theater Schlange am Bahnhof stehen, eineinhalb Stunden (wie bei der Impfung). Ich bin mit Rike verabredet, begleite sie nach Hause, sie bedeutet mir: eine Viertelstunde – bis sie sich schön gemacht hat. In der Zwischenzeit versuche ich, ein eng aneinander geschmiegtes, ineinander verkralltes Mäusepaar für ein Kind aus dem Käfig zu holen, sodass sie nicht getrennt werden. Dann sehe ich Simons Löwen Hans, will auch noch ein Tierchen von Jakob (das ich in echt nicht kenne) aus dem Stall holen, komme aber nicht hin. Es durchfährt mich darüber ein Schmerz. (Den Löwen Hans hatte Plassens Hund halb zerfleischt, als wir nach Simons Tod dort waren, Löwis Augen ausgerissen usw.; ich hatte ihn als „Stellvertreter“ mit dabei gehabt). Im Traum mache ich mir Gedanken, wer die vielen Betten bei den Eltern wieder beziehen soll, ist ja ein Haufen Arbeit. – Da sind viele Tote aufgetreten.

15:15: Mit Beate gute zwei Stunden durch die Olympiapark gestapft, auch zum Denkmal für das Olympiaattentat. Danach zu Michi zur Forelle, lecker gespeist und gequatscht; danach zum tief verschneiten Friedhof. Insgesamt ein Laufpensum, das sich sehen lassen kann. Gleich will ich weiter in der Strittmatter-Biografie lesen. Merkwürdig, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Frau von der schlechten Behandlung durch ihren Mann spricht. Weder will sie sich als Opfer darstellen, noch klagt sie ihn dafür an, noch lässt sie erkennen, dass etwas davon für sie nicht in Ordnung war. Kein Bohème-Leben wie man das sonst aus „diesen Kreisen“ kennt, sondern knochenharte DDR-Jahre und ein Schattendasein an der Seite dieses Mannes, der schon recht bekannt war. Obwohl er ihre Gedichte zu Kenntnis nimmt und schätzt dreht sich doch alles um ihn.

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3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Da habt ihr heute sicher mehr als die 10.000 Schritte, die gut für die Gesundheit sein sollen, gemacht.
    Viele Frauen standen im Schatten ihrer Männer. Ob das heute immer noch so ist?

  2. Beate sagt:

    Der erste Teildes Traums so merkwürdig, Szenen, die erotisches Gegenüber vermuten, im wirklichen Leben völlig absurde Bilder, was du vom Löwen Hans schreibst, macht beim Lesen traurig. Strittmatter: ich wünsche mir ein paar Leseabende über DDR Literatur…

    • Heike sagt:

      Gute Idee! Wobei Strittmatter fast wie eine echte Funktionärin klingt, auch recht rauh. Aus manchen Gedichten aber spricht dann etwas anderes. Viel DDR Literatur kenne ich nicht. Aber das Ehepaar Wolf war ja auch aus der DDR. Die habe ich aber nicht im Interview gelesen wie jetzt die S., sondern es ging um lang vergangene Zeiten. S. dagegen äußert sich über die Menschen, über die Politik ihrer Jetztzeit, geb. 1930.

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