Krebs, Wechseljahre und Schäfflertanz am Muttertag
Anfangs war es ein eigenartiges Gefühl, nicht jeden Tag mindestens einmal in den Blog zu schauen. Ich habe mich aber schnell umgewöhnt und fühlte mich freier, weil ich nicht so oft unter Druck dachte, ich muss noch bloggen. Jetzt weiß ich gar nicht, wie ich den Eintrag strukturieren soll. Chronologisch wäre zu lang und zu langweilig. Also eher thematisch. Ein Thema dieser Woche ist Urmila, die wegen plötzlich extrem dicker Beine im Krankenhaus war und dort eine Krebsdiagnose bekommen hat. Sie hat Lungenkrebs und Metastasen in der Leber. Ihrer Art entsprechend hat sie wild agiert, alle Pferde scheu gemacht, sehr viel angeklagt und böse geschimpft auf die Ärzte und eigentlich auf alle, die ihr helfen wollen. Mehrmals telefonierte ich mit einer ihrer Freundinnen und mit Sören. Ich werde mich aber jetzt zurückziehen und es anderen überlassen, ihr bei ihren Angelegenheiten zu helfen. Der Stand ist so, dass es ihr nicht so schlecht geht. Sie kann sich in ihrer Wohnung selber versorgen, eine Freundin kauft ein und eine andere kümmert sich um die Betreuungsverfügung und Vorbereitung, wenn es schlechter wird und sie einen Pflegedienst braucht oder in ein Hospiz muss, wobei dies wohl noch nicht bevor steht. Urmila hat außer Sören keine Angehörigen und mit Sören besteht kein Kontakt. Wenn die beiden aufeinander treffen, herrscht in kürzester Zeit Beleidigung, Streit, Geschrei. Sören hält ihre manipulative und abwertende Art nicht aus und gegen alle Vornahmen, sich nicht aufzuregen, sind seine frühkindlichen Erfahrungen aktiviert und er kann sich nicht zurückhalten. Er wird sich ebenfalls (erst mal) raus halten, möchte auch ihr Erbe nicht annehmen. Nächstes Thema: meine körperliche Verfassung, die mich fertig macht. Ich habe richtig starke Hitzewallungen, ganz oft am Tag und manchmal wird mir gleichzeitig schlecht davon. Meine Hüften und überhaupt meine Knochen tun mir weh. Ich kann mir nicht vorstellen eine längere Wanderung zu machen, da ich nach einem Kilometer schon nicht mehr kann, weil mir alles mögliche weh tut. Ich schiebe es ein bisschen auf die hormonelle Umstellung, die zu meinem bekannten Hüftleiden (Labrumläsion und Arthrose) noch dazu kommt. Zudem bin ich oft in melancholische Stimmung. Gerade waren wir beim Schäfflertanz, der außer der Reihe gleich bei uns am HP8 aufgeführt wurde, um nicht die Pest, sondern Corona zu vertreiben und die Menschen zu erfreuen. Es hat mich echt gerührt, wie diese Männer in ihren Knickerbockern und Kostümen mit den grünen Bögen in den Händen getanzt haben und Hunderte Zuschauer gebannt geschaut und geklatscht haben. Heute am Muttertag bin ich natürlich auch in Gedanken bei meiner Mutter und merke, dass ich sie vermisse. Maja und Bernd kommen am Abend zum Essen zu uns. Ob sich Jaron meldet? Er ist so weit weg.
Deine Schilderung von Urmilas Umgang (unangemessen intim, wenn ich einfach ihren Vornamen so nenne?) ist tragisch und komisch zugleich. Es gibt so viele Menschen, die um sich vorwiegend Verdruss haben oder säen. Dann der Hader und das Misstrauen gegen alles und jeden… Dein körperlicher Zustand ist so schade, wo du doch so darauf achtest, dich pflegst, gut enährst, bewegst. Gegen die Stimmung hat Sonja was Tolles gefunden, seitdem dreht sie sich nicht mehr alle fünf Minuten heulend zur Seite. Den Schäfflertanz hätte ich zu gern gesehen. Ich glaube, es war bei mir in der Kindheit das letzte Mal.
Dass dir übel wird wenn du wallst ist mir nicht unbekannt. Es ist anstrengend, sowohl körperlich als auch seelisch. Alles gerät durcheinander. Schäfflertänze habe ich schon so lange nicht mehr gesehen. Sie tanzen, glaube ich, nur alle 7 Jahre.
Was hat Sonja Tolles gegen die Stimmung gefunden?
Die Phase, die Du gerade von Dir beschreibst, ist eine große Herausforderung. Wohl annähernd Jede versucht dann, die Sorgen darüber, womit sie so körperlich wie seelisch überfallen wird, mit Büchern, Tees, Hormonen abzumildern. Das Gleichgewicht wankt. Den Schäfflertanz habe ich das letzte Mal im Kuppelsaal der Staatskanzlei gesehen. Söder war natürlich der Platzhirsch obenauf, mit seinem diabolischen Gesichtsausdruck ein unvergessliches Erlebnis. Falls sich Urmilla noch an mich im gemeinsamen Kurs in Umbrien erinnert, grüß sie bitte von mir!