21-01-29-CoTaBu-Mein Freund, der Baum – Telefonat und Jacci
Renate misst gern: als wir unser morgendliches Telefonat (statt Spaziergang wegen Wetters, das unterdessen aufklarte und wegen meines nicht einwandfreien Zustandes) beendeten zählte sie 2 Stunden, 42 Minuten. Anregender konnte ein Treffen nicht sein! Morgen muss ich den Rest dieses merkwürdigen Infektes für die zweite Impfung lossein. – Danach mit Michael gespeist, zum Friedhof gegangen. Mir waren letztens viele Mistelbeeren auf unserem Gräberfeld aufgefallen, ebenso Sägemehl und -späne. Aber erst heute fragte Michael, was denn das sei? Und dann begriffen wir: unser Baum ist gefällt! Mein Freund, der Baum, ist tot…. Er, zu dessen Füßen wir standen, an dessen Stamm ich oft lehne, der Peters und dann Simons Grab, solang ich denken kann, beschirmt hat! Michael hatte vor einigen Wochen gesagt: dem geht`s nicht gut! Sogar das kleine Bäumchen zu Häupten des Grabes muss etwas von fallenden Baum abbekommen haben; seine Zweige, die immer blühen im Frühling, sind geknickt. Ich bin tief traurig. Michael hat die wunderbare Idee, ob wir jetzt dort vielleicht die Bank aufstellen dürfen, von der wir schon lange träumen. Man muss tausende von Euro bezahlen, wenn man sowas stiftet, darf aber den Platz nicht aussuchen. Ein Verwaltungsakt mit seitenweisen Vorschriften und Verfahren. Einen Versuch wäre es wert. – Dann habe ich für Jacci Herzleidsalbe und Rescuetropfen aus der Apotheke geholt; ich will ihr ein kleines Päckchen schicken. Ich denke fast den ganzen Tag an sie. Wir schreiben uns ellenlange Mails. Ich hab das Trostbüchlein ihrer Mutter nochmal durchgelesen und schicke es ihr wieder. Dadurch, dass es ihre Gebrauchsspuren und Bezug zur Trauer um ihre eigene Mutter zeigte, mochte ich es und wusste es zu schätzen. Es will wandern, ich spüre es deutlich.
Der Baum rechts von Simons Grab, einfach weg. Komischerweise bemerkt man das nicht gleich. Unsere Bürokratie scheint keine dringenderen und wichtigeren Aufgaben zu haben, als sich um eine Bank zu kümmern.
Wenn eine Bank dort Platz hätte, wo der gefällte Baum stand, stelle ich mir das schön vor. Dass man den Ort nicht bestimmen kann, ist doof. Wie gut, dass Jacci dich jetzt als Mensch hat, der sie versteht und ihre Trauer aushält und begleitet.