Bielefeld

Jetzt ist die Zeit in Bielefeld schon wieder vorbei. Am Freitag und Samstag war ich jeweils vom Vormittag bis zum Abend bei meinen Eltern zu Besuch. Frühstück und Abendessen sowie Übernachtung fanden bei meiner Schwester und ihrer Familie statt. Meine Mutter ist sehr schwach und müde und döst immer wieder ein. Dennoch kann ich mich gut mit ihr unterhalten. Sie ist vollkommen klar und orientiert, anders als mein Vater, der sehr vergesslich und sehr langsam ist. Das Mittagessen habe ich jeweils mit ihm zusammen gekocht und konnte mich davon überzeugen, dass alles sehr sehr lange dauert. Aber wir haben es trotzdem genossen. Meine Mutter rief dann immer vom Wohnzimmer irgendwelche Tipps, die sie zum Kochen hatte. Da man sie aber nur versteht, wenn man sich sehr Mühe gibt und in ihrer Nähe ist, musste ich ständig zu ihr gehen und fragen, was sie gesagt hat. Obwohl die Stimmung sehr schön war und ich es in meinem Elternhaus heimelig und gemütlich finde, war es auch traurig. Denn es ist nun entschieden, und meine Mutter hat zugestimmt, dass sie in ein Pflegeheim gehen wird, das in Laufnähe zu ihrem Haus ist. Mein Vater schafft es physisch und psychisch nicht mehr, sich so um sie zu kümmern, wie sie es braucht. Er hat starke Rückenschmerzen und ist reizbar und ungeduldig. Auch eine ambulante Hilfe oder eine 24 Stunden Kraft aus Polen kann ihn nicht so entlasten wie es für ihn nötig wäre. Wanda hat zwar den Haushalt gemacht, aber sie konnte meine Mutter nicht heben und auch ihre Sprache nicht verstehen, so dass mein Vater doch immer da sein musste, um zu helfen. Auch ist es für meinen Vater eher eine Einschränkung seiner Freiheit, wenn immer eine Pflegerin und Haushaltshilfe da ist. Er möchte unabhängig sein. Es bricht mir das Herz, wenn ich daran denke, dass sie in ein Pflegeheim geht, aber ich versuche, die Vorteile zu sehen. Das ausgewählte Heim ist schön nah, sehr neu und vor allem durchgeimpft. Dort soll es schon wieder locker zugehen und sie kann täglich von meinem Vater und Geschwistern und Freunden besucht werden.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Es ist doch alles sehr traurig ums Altwerden. Manchmal denke ich, es ist eine Geißel der Menschheit. Und bei deinen Eltern die Mutter, die bei geistiger Klarheit verfällt, während dein Vater bei körperlicher Unversehrtheit geistig und seelisch nachlässt. Ich persönlich stehe einer Heimversorgung nicht ganz negativ gegenüber, finde, dass es manchmal die bessere Lösung ist, v.a. wenn die Familie reindarf – im Gegesatz zu hier.

  2. Beate sagt:

    Mein Vater hatte es sich abverlangt, meine Mutter zu pflegen und ist darüber sehr krank geworden. Wenn ich von Dir lese, dass Dein Vater es sich eingesteht, dass er überfordert ist, finde ich das ehrlich den besseren Weg! Er kann für Deine Mutter so sicher viel besser da sein

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