21-01-31-Impfen – Räumen – Lesen – Trauern

Die zweite Impfung gestern ist nicht sang- und klanglos über die Bühne gegangen. Zwar mussten wir nicht wieder Schlange stehen, im Gegenteil hatte ich vom Radfahren noch nicht verschnauft – schon war es vorbei. Armschmerzen kamen erst in der Nacht, so heftig, dass ich jedesmal aufgewacht bin, wenn ich mich auf die Seite gedreht habe. Heute habe ich Kopfweh und fühle mich etwas krank, nervenempfindlich auf der Haut. 38,5 jetzt abends. Das sind erwartete, mögliche Folgen. So war ich nur ein Stündchen im trüben Park, hab mich danach gleich von Michael getrennt, verbringe meinen Tag im Halbschlummer; mal lese ich „das Fischkonzert“, laut Eva Strittmatter der beste Roman des 20. Jahrhunderts. Ein Potpourri aus skurrilen Episoden in Island aus Perspektive eines kleinen Jungen mit wunderbaren Dialogen, aber nicht gerade kurzweilig. Eigentlich ist es für Bine zum Geburtstag. Sie ist Fisch und wünscht sich auch meine Seifenschale, alles mit Fischen. Erst lese ich, dann geht es zu ihr. – Zwischendurch räume ich in Simons Zimmer, habe viele Bücher auf den überfüllten Speicher gebracht. Das Bett umgedreht, einen Teil des Regals abgebaut. Jetzt sieht es gerade schlimm aus. – Ansonsten bin ich innerlich immerzu mit Jacci beschäftigt. Inzwischen habe eine Anzeige bekommen und sie hat mir geschrieben, was passiert ist – eine Woche nach dem 57. Geburtstag. Ich muss mich zügeln, Jacci nicht zu erdrücken. Es triggert mich stark an, all die Reaktionen, auch die absurden, die unerwarteten Gefühle und die, die trotz Erwartung nicht kommen, das Zittern, die Stille. Sie schreibt, sie betrachtet Simons Tod wie eine Vorbereitung für sich und orientiert sich ein bisschen daran, wie es damals bei uns war. Sie war viel da zu der Zeit.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Trotz Fieber hast du viel geschafft. Als Vorbereitung dafür wie sie mit dem Tod ihrer Mutter umgehen wird? Verstehe ich das richtig? Klingt für mich seltsam.

    • Heike sagt:

      Ich verstehe es sehr. Wenn du noch nie Berührung mit dem Thema hattest und bist – sozusagen – in zweiter Reihe einmal so hineingeworfen gewesen wie sie damals; Jakob so zu erleben, alles um die erste Nachricht herum, Hamburg, München, uns alle, jeden auf seine Weise, um die Vorbereitung, um Anzeigen, um den Umgang damit, ob man die Tür offenhält oder schließt, sie war bei soviel dabei, sogar beim ersten Besuch, als sie mit Jakob eine Torte gebacken hatte….ich finde diese Aussage – wie sage ich? – spirituell.

  2. Beate sagt:

    Ach Heike, hoffentlich geht es Dir wieder besser. Es wird ja immer wieder darüber berichtet, dass die Impfung (wie jede andere auch, von der Pneumokokkenimpfung und der Grippeimpfung hörte ich es auch) so mit Fieber und Schmerzen einhergeht. Der Tod ihrer Mutter bewegt Jacci und Dich erneut aufeinander zu. Es klingt danach, dass Ihr Euch sehr verbunden seid in Euerer Trauer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert