Arbeit und Diversität
Geplant war heute die Reise nach Bielefeld. Deshalb habe ich auch heute und auch noch am 8.2. frei. Da die Reise coronabedingt noch mal verschoben werden muss, habe ich einfach so einen freien Tag, worüber ich sehr froh bin. Gleich fahren wir zum Schliersee und machen es uns dort wieder gemütlich. Heute früh eingekauft im Hofladen, gesaugt und gebügelt und Sachen für Schliersee gepackt. Meine Arbeit ist im Moment extrem anstrengend. Von allen Seiten wird alles mögliche besser heute als morgen angefordert und erwartet. Ich bin aber nur ein kleines Rad im Getriebe. Auch wenn ich z. B. meine Berichte schnell fertig mache, sind da noch x Stellen, die durchlaufen werden müssen, bis die Berichte dann endlich bei den Eltern oder beim Arzt (generisches Maskulinum: steht für die Gesamtheit der Ärztinnen und Ärzte) ankommen. Dadurch zieht sich das Procedere hin und die Eltern warten ungeduldig. Das ist auch der Preis für das sichere Arbeiten in der Institution. Auch die Patienten sind extrem anstrengend. Wenn man mit so herrlich gut entwickelten Kindern wie Emilia und Luis umgeben ist, kann man sich gar nicht vorstellen, was es alles für schwer entwicklungsgestörte Kinder gibt. Es ist gut, dass ich zuerst meine eigenen Kinder bekommen habe, bevor ich dort angefangen habe zu arbeiten. Ich hätte viel mehr Angst gehabt, was alles mit dem Kind los sein kann. Luisa ist ja erst 22 Jahre, aber sie will unbedingt Kinder haben. Da sie plant,weiter mit ihrer Freundin zusammen zu sein, überlegt sich jetzt schon die Möglichkeit einer (anonymen) Samenspende oder andere Möglichkeiten. Das ist wieder ein schwieriges Thema. Ich würde den Menschen lieber kennen und gut finden, mit dem ich ein Baby zeugen würde. Im Moment ist die Thematik Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und Gendergerechte Sprache in aller Munde, siehe auch das heutige SZ-Magazin, wo sich über 100 Schauspieler outen als homosexuell oder quere oder non-binär und sich wünschen, dass die Diversität auch im Film mehr Einzug hält.
Oh, noch was, was ich unbedingt lesen wollte/sollte/müsste? Ich bin noch mit Menschen beschätigt, sie sich als Hirsche fühlen. Hoffentlich müsst ihr euch nicht allzuviel mit der Entscheidungsfindung befassen, das wäre womöglich ein Hinweis darauf, dass das „Kind“ vielleicht noch arg jung ist, wenn es euch in alles so reinzieht. Da waren die intoleranten Eltern früher regelrecht eine Hilfe: man hat sie rausgehalten, ihnen nicht getraut und kam so zum eigenen Weg. Traurig, was du alles zu sehen bekommst an wenig hoffnungsvollen Lebensanfängen. Es wohnt beileibe nicht jedem Anfang ein Zauber inne…
Mir scheint es gibt immer mehr entwicklungsgestörte Kinder. Ob es durch Corona noch mehr werden, ist wahrscheinlich. Die Gedanken zu einer anonymen Samenspende scheinen mir recht verfrüht. Ich halte nicht sehr viel von diesen Spenden.
Anonyme Samenspenden finde ich echt gruselig. Ich. habe vor zwei Jahren ein lesbisches Paar getroffen, deren Kind von einem schwulen Mann gezeugt wurde, zu dem der Junge auch viel Kontakt hat. Ach, Luisa hat doch noch soviel Zeit, oder?