21-02-06-CoTaBu-Nichts, wenig oder etwas + Theater in Schrift und Bild
Durch Renate kam ich heute ins Sinnieren, wann man eigentlich von Nichtstun sprechen kann. Was ist Nichts? Saint-Pol-Roux soll, bevor er sich schlafen legte, ein Schild an seine Tür gehängt haben: „DER DICHTER ARBEITET“ (eben nochmal nachgeschlagen im Manifest des Surrealismus). Meine Samstage sind an Unproduktivität nicht zu überbieten. Durch das wenige Essen passiert noch weniger. Ich muss auslassen, was geht. Dagegen hilft langes im-Bett-Bleiben. Endlich Fischkonzert zu Ende gelesen. Ich wollte es Bine schenken, aber ich habe soviel eingemerkt und kann mich nicht trennen, also nochmal bestellt. Vielleicht kann ich es euch einmal vorstellen? Dazu bräuchten wir dann doch noch einen kleinen Literaturclub. Spätes, bescheidenes Frühstück. Irgendwann nach der Gemüsesuppe bei Michael und einer kurzen gemeinsamen Spritztour habe ich 101 Reclamhefte auf einem Stringregalbrett alphabetisch sortiert. Als Simon in die Schauspielschule ging hatte ich ihm viel aus meinen Beständen mitgegeben, die anderen massenhaft in Antiquariaten besorgt, damals auch noch bei Shakespeare`s am Rindermarkt. Jetzt sind alle wieder vereint. Ich habe Entscheidungen getroffen; mich von alten, edleren Ausgaben in Frakturschrift getrennt; was Reclam, aber nicht Theaterstück ist, sondern z.B. Novelle, Konkrete Posie, Gedichte, Roman, Senecabriefe oder Ciceroreden, bekam einen Extraplatz auf diesem Brett. Dagegen kommen Reclams mit Haiku- oder Tankadichtung zur japanischen Ecke im Lyrikregal. Dann habe ich die inzwischen getrockneten Bücher im Schlafstübchen teils in diverse Regale sortiert; mir das Nachttischchen aus Simons Zimmer geholt, einen 50-er Jahre Zeitungsständer. Es für meine Zwecke bestückt: eine Reihe Bücher stehend, nicht mehr aufgeschichtet. Wecker. Ein Gefäß für Stifte, Schere, Textmarker, Haftstreifen, Notizblock. Das hübsche, aber unpraktische gusseiserne Tischchen kommt ins Wohnzimmer. – Abends „Backstage Wiener Staatsoper“ angeschaut. Nie hätte ich geahnt, was sich dort für eine Welt auftut. Ich bin begeistert! Aber es ist so eine Sehnsucht nach Theater entstanden.
So unproduktiv hört sich dein Samstag gar nicht an. Schlafen als Arbeit des Dichters umzudeuten, finde ich genial. Demnach arbeite ich wirklich viel zur Zeit.
Das Fischkonzert interessiert mich! Derzeit liegen bei mir Bücher auf dem Tisch, zu denen ich nicht den rechten Zugang finde. Konzerte und Theaterstücke streame ich auch gerne, sehnsuchtsvoll, Aussicht auf Zeiten, in denen wir sie wieder live erleben können!
Backstage Wiener Staatsoper hat auch bei mir die Sehnsucht nach Theater geweckt. Wie schaut es eigentlich aus wenn du produktiv bist?