21-02-11-CoTaBu-Heimreisepläne nach Bulgarien + Kehlkopfschmerzen

Heute kam ein Anruf von der Betreuungsstelle Ebersberg wegen unserer jungen Hirntumorpatientin. Sie werde uns ja demnächst verlassen. Wie? In ihre Heimat Bulgarien zurückgehen. Was? Eigentlich sollte die Eignung des Ehemannes als Betreuer vor der Verlängerung des Beschlusses erfragt werden. Ich beschrieb unseren Eindruck und dass auch die Schwester der Patientin eine Rolle spiele. Ob ich deren Nummer rausgeben könne? Konnte ich natürlich aus Datenschutzgründen nicht und deutete meine Zweifel an, ob sie überhaupt eingeweiht sei, die Familie sei nicht immer in allem d‘ accord. Ich habe den Ehemann angerufen und bitten lassen, sich bei mir zu zeigen. Es stellte sich heraus, dass die Familie sich mit dem Hospizvertrag herumplagt, sich über Kündigungsfristen den Kopf zerbricht, an einem „Brief“ arbeitet. Er war wahnsinnig erleichtert, dass er nichts dergleichen ausarbeiten muss, dass es genügt, einfach nur mit uns zu sprechen, wie nun geschehen; er sieht, dass die Überlebensprognose von „wenigen Wochen“ von vor einem Jahr sich nicht bewahrheitet. Dass immer mehr Leben in seine Frau zurückkehrt. Dass auf Dauer auch die Familie Lebensraum und Perspektiven braucht. Wieder sagte er mit Tränen: es sei mein Bethlehemkreuz gewesen an Weihnachten, das geholfen habe. Ich sage nächste Woche im Team bescheid. Er hat verstanden, dass auch wir einen Abschied brauchen. Die Entwicklung gleicht einem Wunder und es zeigt einmal mehr, wie gut gemeint Gespräche z.B. mit dem Kind von übereifrigster Seite waren über Tod, Sterben und Beerdigung, wie abwegig, vermessen und geradezu verhängnisvoll aber derart geäußerte Prognosen sein können. Seine Pläne sind sehr ehrgeizig; ich hoffe, sie führen nicht zu Rückschlägen. – Was noch war: Ich habe gestern wohl zu ungebremst gesungen; mir tut den ganzen Tag die Kehle weh. Ich muss nächstes Mal „stimmtherapeutisch“ vorarbeiten.

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3 Antworten

  1. Ines sagt:

    Das klingt wirklich wie ein kleines Wunder. Dass eine Frau mit so schlechter Prognose wieder so lebendig ist. Hoffentlich geht es nicht rapide bergab, wenn sie nicht mehr von euch betreut wird.

  2. Beate sagt:

    die Geschichte dieser Frau ist sehr anrührend, diese Lebenskraft, die wider alle Prognosen sich Bahn bricht. Ich denke an Rainers Mutter, die auch die schlechtesten Prognosen hatte, sie lebt bis heute und schwört darauf, sie sei während ihres Klinikaufenthalts am Chiemsee gesundet

  3. Renate sagt:

    Wie gut dass du ein klärendes Gespräch mit dem Ehemann geführt hast und wie schlimm, mit welchen Gedanken er sich herumgeplagt hat. Ich stelle es mir sehr schwer vor, mit Prognosen umzugehen. Da ist man doch in ständiger Anspannung.

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