21-02-12-CoTaBu-Tätärätä! Eintrag Nr. 1000 und Genderisierung
Beate hat ihn angekündigt: den tausendsten Eintrag – hier ist er! Trotz herrlichsten Wetters war ich heute nicht vor der Tür, lediglich zur Papiertonne. Endlich etwas weitergeräumt in Simons Zimmer. Es widerstrebt mir, es so zu nennen, einen anderen Namen aber nimmt es noch nicht an. Weitere Putzvorbereitung für morgen steht noch bevor. Langes Telefonat mit Heike R., einer Ehrenamtlichen, viel gelacht, prima unterhalten. Dann weise ich auf eine sehenswerte Sendung von gestern hin – am WE auch in der Medathek auf 3SAT zu sehen – zur Genderisierung der Sprache. Viele Aspekte werden wertfrei aus wahrlich diversesten Perspektiven zusammengetragen. Natürlich wurde auch die Linguistik und die Sprache selbst nicht außer Acht gelassen. Niemand, nichtmal die Hardcorefeministinnnen, bedienten sich des „frau“ statt „man“, fiel mir auf. Mir gefiel, dass alles drankam und die absurdesten Auswüchse sichtbar wurden. Selbst Verfechter*innen (grausam!) des generischen Maskulinums wurden nicht in den Boden gestampft. Passend dazu habe ich wiederum auf 3-SAT diesen schrecklichen Berlin-Film über die 50-er Jahren gesehen. Im Angesicht dessen, was los war in den Jahren, in denen wir Älteren im Blog geboren wurden – Homosexualität als Straftatbestand, Rechtlosigkeit unverheirateter Mütter, um-Erlaubnis-fragen-müssen beim Führerscheinmachen, Erziehungsstil, um nur wenige Aspekte zu nennen – können wir uns glücklich schätzen, wie weit wir sind. Es nervt mich, wie wir auch an dieser Stelle meckern, jammern und an-klagen. Es sind Welten bewegt worden zu unseren Lebzeiten.
Meine Mutter berichtet auch oft und voll Empörung davon, wie eng die 50 er Jahre waren. Die Frau brauchte die Einwilligung des Ehemanns, wenn sie arbeiten wollte. Paare bekamen keine Wohnung, wenn sie nicht verheiratet waren , etc. Kein Wunder, wenn sich sie älteren jetzt schwertun mit der uneingeschränkten Freiheit von Sexualität und Geschlechtsidentität. Nur die katholische Kirche stemmt sich noch gegen die Gleichberechtigung aller.
Das ist wahr. Allerdings bekam man in den 80-ern auch noch nicht ohne Weiteres eine Wohnung, unverheiratet. Ich bin nicht sicher, wie es heute ist. Ich war ja damals ein Kind und habe es anders erlebt, hatte auch eine „emanzipierte“ Mutter mit Beruf, Führerschein usw., die die Hosen anhatte. Aber etwas erreicht mich doch sehr, wenn ich die Zeit vor Augen geführt bekomme.
Bis 1957 schieden „Fräulein“ (Grundschullehrerinnen) aus dem Dienst aus, wenn sie heirateten. Meine Mutter, engagiert als Lehrerin und Organistin, die auch Musikgruppen und Theaterstücke mit ihren Schülern durchführte, also Lehrerin mit Leib und Seele war, heiratete im Februar 1957. Sie durfte im Schuldienst bleiben. Die Sendung werde ich Alina empfehlen, sie spricht jeden zweiten tag mit mir über das Genderthema
Ja, tu das! Ich fand, die Sendung diente auch der Toleranz gegenüber unterschiedlichen Einstellungen und gedanklichen Konstrukten.
Meine Mutter hat gearbeitet in den 50ger Jahren, ob sie sich die Erlaubnis von meinem Vater holte? bezweifle ich. Heute kann ich sie leider nicht mehr fragen. Ich war auf jeden Fall noch Fräulein P. Viel hat sich seitdem gewandelt und trotzdem habe ich, trotz aller Aufgeklärtheit und trotz allem Fortschritt, das Gefühl, dass manches rückläufig ist und die Toleranz wieder abnimmt.
Meines Wissens war es gesetzlich so geregelt, dass Frauen wie Kinder die Erlaubnis des Ehemannes brauchten.