Mittagspause auf dem Balkon

Ines hat mich gefragt wie alt ich gewesen bin als ich im Sanatorium war. Ich bin zu meinen Unterlagen und war überrascht, dass ich das Attest des Sanatoriums anscheinend weggeworfen habe. Dann sind mir die Briefe eingefallen, die ich im Keller habe. Heute gleich hoch geholt. Ich bin im Juni 1966 ins Krankenhaus gekommen, da war ich noch 11 Jahre alt, wurde im Juli dann 12. Die Briefe zum Teil gelesen und Eva geschrieben was ich alles entdeckte und wieviel ich vergessen habe. Ausgemacht mit Eva  die Briefe zusammen zu lesen. Die meisten waren von Mutti, wie wir damals zu ihr sagten und viele von Eva. Heute kam Inge und machte ihre Mittagspause mit mir auf meinem Balkon. Ihrer geht nach Westen und ist noch zu kalt zum draußen sitzen. Uns wurde richtig heiß. Inge sagt sie kann nicht mehr in totaler Isolation leben. Sie hat sich ganz stringent verhalten und mag und kann nicht mehr. So ist sie am Samstag zum Frühstück zu ihrem Bruder und am Abend hatte sie Besuch zum Essen. Sie arbeitet Vollzeit im Homeoffice. Auch das ist, nicht nur für Inge, wenig erfüllend und sehr frustrierend. Nach ihrer Pause ist sie dann gegangen und ich hatte keine Lust zu einem Spaziergang, habe gebacken und gelesen.

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2 Kommentare

  1. Heike sagt:

    Das kann ich gut nachvollziehen. Einmal muss Schluss sein. In meinem „Kontakttagebuch“ schreibt meine Studienkollegin, eigentlich eine sehr coole, „wir Menschen können einfach nicht voneinander lassen“ oder „ich bin ein Säugetier und brauche andere meiner Art“. So ähnlich. – Dein Sanatorium habe ich sehr verinnerlicht. Ich denke auch an diese Schwester dort, du nanntest sie einmal „gut“. Die Güte in Person. Güte als Rettung.

  2. Ines sagt:

    Juni 1966 bin ich geboren..schöne Idee, die Briefe mit deiner Schwester zu lesen. Obwohl ich nicht im Homeoffice arbeite, kann ich deine Freundin Inge gut verstehen. Wie praktisch, dass dein Balkon in ihrer Mittagspause Sonnenbaden erlaubt.

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