21-02-25-CoTaBu-Bergdoktorzeit= Auftakt zum WE-Patientengespräche

Donnerstag Abend Bergdoktorzeit. Immer wird ein Leben gerettet, eine knifflige Diagnose gestellt, ein Familiengeheimnis aufgedeckt, eine Liebe droht zu zerbrechen, jemand wird betrogen. Er kann alles und rettet seine jeweils (einzige) Patientin, bis das ganze Problem gelöst ist. Wenn danach Michael anruft vermische ich ihn mit dem Bergdoktor. – Heute war ich seit einem Jahr erstmals auf der Palli, um dort mit zwei Patienten zu sprechen. Ein einsamer Mohikaner, der nicht ins Hospiz will, aber auch nicht heim kann. Jetzt solle ich ihm doch mal sagen, was das Besondere am Hospiz sei. Ich fragte, wer denn behaupte, dass es was Besonderes sei? Ich sei nicht da, um es ihm schmackhaft zu machen. Da hob er erst langsam den Kopf. Ab dem Moment, wo ich fleißig mit ihm in der Fantasie Richtung nach Hause gewandert bin fand er das keine Option mehr. Hätte ich nicht irgendwann weitergemusst würde ich – wie Renate – jetzt noch sitzen. Die andere will ihrem Lebensgefährten zwar Vollmachten geben, aber nicht über die Gesundheitsbereiche. Da sie das nicht wollte war gar nichts erledigt. So bin ich mit ihr Punkt für Punkt durchgegangen, habe die neuralgischen Bereiche gestrichen bzw. umformuliert, dass sie alles selber in der Hand hat (immer diegleiche Angst vor Fremdbestimmung!). Am Ende fehlte die Kraft zu unterschreiben. Wie ich es hasse! Die Leute schieben es auf und am Ende sitzt du da, während sie in den letzten Zügen liegen, als sei es dein Problem. Ob sie es heute noch hinbekommen hat? Sie würde ihrem Partner wahnsinnig viel Ärger und Schwierigkeiten und sich selbst den Richter am Bett für eine gesetzliche Betreuung ersparen. – Renates Flötenkollegin ist auch da. Auch da säße ich bis morgen früh, wenn ich sie zu Ende hätte reden lassen. Das Mundwerk geht wie ein Perpetuum mobile.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Michael und der Bergdoktor haben tatsächlich ein paar Ähnlichkeiten. Sehr treffend, wie du das Konzept von dieser Serie beschreibst. Dass auch wirklich jedes mal alles gelöst wird und der Doktor sich ganz auf diesen Fall fokussiert, als gäbe es keine anderen Patienten, das ist schon seeeehhhhrrr unrealistisch, aber offensichtlich lieben viele diese heile Welt. Ich finde es interessant, dass manche Menschen diesen Redebedarf haben und umso mehr entwickelt, je näher das Ende naht. Ich würde stiller werden, und ich würde gerne die Vollmachten erteilen, das denke ich zumindest jetzt. Wer weiß, wie es ist, wenn es dann mal soweit ist.

  2. Beate sagt:

    Also, jetzt hab ich richtig Lust, mir den Bergdoktor anzuschauen! Er scheint einer zu sein, der alles richtet. Wie befreist Du Dich eigentlich ganz konkret, wenn jemand seinem Redefluss kein Ende setzen mag?

    • Heike sagt:

      Letzteres ist sicher eine der schwersten Übungen, ich kann sie nicht mit einem Wort beantworten. Bei ausgeprägter Logorrhö gibt es keine elegante Methode, denn jeder Gedanke kommt schon vom nächsten unterspült in die Welt. Es wäre eher ein Thema, beim nächsten Spaziergang zu erörtern…

  3. Renate sagt:

    Bergdoktor habe ich noch nie gesehen, nur mal reingezappt. Meine Flötenbekannte redet wirklich sehr viel, nicht nur seit es dem Ende zugeht.

Schreibe einen Kommentar zu Beate Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert