21-03-09-CoTaBu-Wo bleibt die Disziplin? Bulgarien zu Coronazeit
Nach ersten Sünden und Ausrutschern bin ich zwar noch bei 16:8, aber der 100%ige Verzicht auf Süßes wird durch ständige Versuchungen ausgehebelt. Heute war es Kuchen, den unsere Atemtherapeutin zu ihrem 4-Jährigen mitgebracht hat. Gestern gab es ebenfalls Kuchen und Mandelfladen zum Johannes-von-Gott-Fest bzw. zum Weltfrauentag. So geht es dahin mit der Disziplin. Unheimlich anstrengende Patienten- bzw. Angehörigengespräche. Sorte „Wichtig“, ich bin was Besonderes und was alles dazu gehört, gähn; dann Typ einsamer Mohikaner, heruntergekommen, selbstmitleidig, logorrhöisch und dazu arrogant und vom Stamme „Nimm“. Coronaspezifisch habe ich heute schon vor der Arbeit für unsere bulgarische Familie recherchiert, hätte beinahe Beate zu Rate gezogen, wollte aber nicht privat jederzeit daherkommen. Hatte schon früh um 6:00 nach Drive-In Möglichkeiten für PCR-Tests gesucht für Poinger. Hatte gestern zwei unserer Ärztinnen gefragt, heute nochmal die eine, die extra freinehmen müsste, um den Abstrich vor Abreise zeitgerecht hinzubekommen. Es klappt einfach nicht. Jetzt muss die Familie doch den Weg übern Hausarzt gehen, nicht so einfach mit der Patientin. Für unsere Verhältnisse ist sie wieder sehr gut, fürs ganz normale Leben natürlich nicht gut genug. Leider kriegt es im ganzen Team niemand hin, 72 Stunden vorwärts zu rechnen und den einzig richtigen Schluss zu ziehen, nämlich dass der Abstrich nächsten Montag für Donnerstag nicht mehr reichen kann. Das hat mich schon sehr verdrossen, aber Gott sei Dank ist es wenigstens mir eingefallen. Man stelle sich vor, die ganze Aktion, Sanka incl. bulgarischem Arzt zur Abholung in die Heimat, Mann und Kind im Extraauto im Convoi und dann wäre an der Grenze das Testergebnis überfällig!
Ich musste auch erst mal rechnen, wieviel Tage 72 Stunden sind. Also, dann geht’s es für die Patientin, die zum Sterben zu euch kam, jetzt zurück nach Bulgarien. Und zum Kuchen: ist nicht leicht, den abzulehnen, wenn ihn jemand extra mitgebracht hat. Da kommt man sich wie ein Spielverderber vor. Dass du es aushältst, 16 Stunden nichts zu essen, bewundere ich. Hoffentlich bringt es was.
16 Stunden schaffe ich nie. Respekt! Bei den anstrengenden Patienten ist ein Stückchen Kuchen unbedingt erlaubt. Bei den Tschechinnen darf der Test nicht älter als 48 Stunden sein.
Bitte frag mich in Zukunft gerne jederzeit, die Verordnungen ändern sich permanent. Sterbenskrank in die Heimat zurückkommen, den langen Weg zurücklegen in diesen Zeiten – das mag ich mir gar nicht vorstellen.
Dass Du jeweils 16 Stunden nichts isst, das ist echt toll! Dann darf es doch gerne auch ein Stück Kuchen sein, oder??