21-03-11-CoTaBu-Nähe + Distanz beim Abstrich und WE-Auftakt

Kaum zu glauben, schon wieder Donnerstag. Bergdoktorzeit, obwohl mir dieses immergleiche Muster langsam gehörig auf den Zeiger geht. Ich habe heute etliche Abstriche gemacht: Gregor, Sonja, eine Bulgarin, eine Ukrainerin, einen Schlägerproleten; eine Schwesternschülerin; die Atemtherapeutin, eine Physiotherapeutin. Komisch ist es mit ganz fremden Leuten. Heute hatte ich den gewaltbereiten und betrügerischen Sohn eines Ex-Nachbarn; er hat mich sofort erkannt. Ihm so nahe zu kommen hat mir die vielbeschworene professionelle Distanz bei kühler Freundlichkeit abgefordert. Ich wurde mehrmals empfindlich angeniest –  feine Sprühstöße auf meine Hände, ausgelöst durch das Stäbchen in der Nase. Ich verzichte wegen Ekzemen an den Händen auf Handschuhe; das muss ich nochmal überdenken. Mit Leuten, die kein deutsch sprechen ist es ätzend, wenn sie nichtmal verstehen, dass oder wo sie warten sollen oder der auflockernde Smalltalk nicht greift, der oft lustige Moment ergibt in dieser unverhofften Nähe. Auch spannend, wenn in diesem Zusammenhang die Maske fällt und jemand völlig anders aussieht als es die obere Gesichtshälfte erwarten lässt. Manchmal kommt ein anderer Menschentyp zum Vorschein. Ich selber habe mir heute einen PCR-Test gegönnt. Im Hospiz spielen sich skurrile Szenen ab; Männerüberhang (während wir zeitweise kaum Männer haben), diese einsamen, arroganten Wölfe, misstrauisch, unkooperativ; jemand fand, unserer neuer Ukrainer erinnere „irgendwie“ an den Herrn, den wir vor Wochen ins Heim verlegt haben. Ich habe durch die offene Zimmertür gelinst. Er sieht 100% identisch aus; spricht noch weniger deutsch; kruschtelt, versteht nichts, geht in die Küche, schüttet seinen Kaffee in den Eierkocher, lässt Null Pflege zu. Fehlanzeige auf ganzer Linie. Heute bin ich voller Szenen aus dem Hospiz, die dieses Format sprengen.

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3 Kommentare

  1. Beate sagt:

    Dass Abstriche schon zu Deinem Alltag gehören, wusste ich zwar, aber jetzt sehe ich dich deutlich vor mir vor meinem inneren Auge. Spannend, davon zu lesen, eine Welt, die gerade mal seit einem Jahr in mannigfacher Weise verändert ist und neue Selbstverständlichkeiten wie Masken und Abstriche nötig werden ließ

  2. Ines sagt:

    Ich habe nicht gewusst, dass ihr so viele Menschen mit Migrationshintergrund und fehlenden Deutschkenntnissen bei euch habt. Das ist für die Betreuung echt nicht leicht. Ähnlich wie bei meinen Familen, die kaum etwas verstehen. Da reduziert sich die Arbeit auf Schlagworte und Reden mit Händen und Mimik, auch das mit Maske schwierig.

  3. Renate sagt:

    Ein Abstrichpotpourri. Ich bin gespannt was mich im April erwartet. Ganz sicher ein Anstrich von dir.

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