21-03-15-CoTaBu-Tanyas Abschied mit verbotenen Liebkosungen

Kaum hatte ich den Nachmittag mit Ines genossen, obendrein noch einen Geburtstag zu viert, fing ich an zu husten. Schon am Sonntag früh musste ich in der Kirche niesen, sogar schnäuzen, so peinlich! In der Nacht auf heute heftig gehustet. Ist es das schlechte Gewissen? Auch Sonja, der ich davon erzählte, hatte soziales Leben gehabt und auch sie hat hinterher gehustet und geschnupft. Jetzt habe ich noch ein weiteres schlechtes Gewissen. Heute fuhr Tanya ab, die junge Bulgarin. Ich hatte gestern der anderen Heike meinen Liedvorschlag geschickt. „Möge die Straße uns zusammenführen…und bis wir uns wiedersehen halte Gott dich fest in seiner Hand…“ Sie brachte einen Verstärker fürs Handy mit. Unsere Darbietung zu sechst war reinster Katzengesang, vor lauter Weinen fast ohne Stimme. Ich hatte ein Bronzekreuz mit ICH BIN DER WEG und Labyrinth für sie (wir hatten mal eines zusammen gemalt). Mein Bethlehemkreuz, das sie immerzu küsst und am Körper trägt, war zerbrochen, sie hat ein neues ausgesucht: „Das ist mein Kreuz“, sagte sie. Ein Fläschchen Lourdeswasser. Mich hat es schier zerrissen, auch ihr Mann weinte heftig. Dann konnte ich nicht mehr an mich halten und ich habe sie umarmt und geküsst, dann ihren Mann. Alle haben es gesehen. Es war doch total verboten!! Meine Erschütterung, so ahne ich, kann nicht nur ihr gegolten haben – Abschiedstränen, die aus der Tiefe meiner Seele kamen und vielleicht woanders hingehörten. Es ist wie es ist und ich kann sie nicht ungeweint, meine Umarmung und Herzung nicht ungeschehen machen. Ich konnte nicht anders. Und hoffe, mich diesbezüglich nicht vor dem Richterstuhl verantworten zu müssen.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Mit wieviel Liebe ihr die Patientin verabschiedet habt, ist schön und traurig gleichermaßen. Ich kann total verstehen, dass du sie umarmt hast, und glaube, dass es dir nicht negativ nachgetragen wird. So etwas menschliches wie eine Umarmung darf nicht aus unserem Leben verschwinden. Die Coronagefahr ist m. E. bei Getesteten und Geimpften nicht hoch.

  2. Renate sagt:

    Immer zusammenreißen geht einfach nicht. Ich finde es so menschlich, dass du deinem Gefühl und Wunsch nach einer Umarmung nachgegeben hast. Die Patientin war so lange in eurer Obhut, da entsteht Verbundenheit und Nähe, auch zu dem Ehemann. Hoffe du wirst nicht krank.

  3. Beate sagt:

    Ein schmerzliches Lebewohl. Das kann nur mit einer Umarmung und mit Tränen vonstatten gehen.
    Gute Besserung, Heike!

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