21-03-16-CoTaBu-Supervision mit üblichem Widerstand + Petition

Heute hatte ich wieder allerlei Nasen, u.a. die unseres Supervisors. Wir alle hatten nicht an Supervision gedacht, obwohl Sonja morgens daran erinnert hatte. Wieder wollte niemand. Es ist wie mit Trauernden: man glaubt, Bedürftigkeit wahrzunehmen, Redebedarf ohne Ende. Ein konkretes Angebot aber wird nicht angenommen. Letztlich waren wir doch zu viert; sogar Sonja ließ sich bewegen, die vor schlechtem Gewissen umkommt, wenn sie den Posten verlässt. Themen die Fülle. Was mich erschreckte: offenbar hatte ich ein Riesenproblem ausgelöst, als ich nicht sofort über die Heimreisepläne unserer Patientin sprach, um sie nicht mit kollektiver Vorfreude unter Druck zu setzen. Ich hatte Gregor informiert; er gab es sofort weiter; das war mir gar nicht recht; so bat er postwendend um Diskretion. Daraus wurde, dass „nicht darüber gesprochen werden durfte“. Der Ehemann hatte nie mit ihm geredet. Statt zu sagen, er wüsste es nicht, gab Gregor teils falsche Infos raus. Das Ungleichgewicht des Informationsstandes, dem Umstand geschuldet, dass der Mann tatsächlich nur mit mir darüber sprach und auch das nur, nachdem ich von einer Behörde von den Plänen erfahren hatte, haben zu Verärgerung geführt, von der ich nichts mitbekommen habe. Insgesamt war die Supervision ergiebig, obwohl der Supervisor den Konflikt schlecht aushielt und den Blick auf die Familie lenken wollte. Deren Anteil zu erkennen ist im Vergleich zu einem persönlichen Konflikt die wesentlich leichtere Übung, zu der ich keine Supervision brauche. – Aus Dekanatskreisen rief eine Petition zu pastoralem Ungehorsam auf:  Dekanatsmitglieder, Priester, kirchliche Mitarbeiter positionieren sich gegen die Verweigerung des kirchlichen Segens für homosexuelle Paare. Über den Vorsitzenden bekam ich noch die Instruktion, wie ich meine Stimme abgeben kann – die erste Petition, die ich unterschreibe. – Ich bin zunehmend froh, dass wir uns nach Herzenslust testen können. Gerade jetzt, wo ich etwas auf der Lunge spüre, ist das sehr entlastend.

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3 Kommentare

  1. Ines sagt:

    Gar nicht einfach, diesen Konflikt unter euch Kollegen zu verstehen, auch nach zweimaligem Lesen. Gute Supervisoren sind rar. Ich kenne auch nur welche, die Konflikte schnell niederbügeln.

  2. Renate sagt:

    Ich habe es nicht verstanden. Heimreisepläne? Ich dachte die Patientin ist schon weg, oder gibt es noch eine? Nach Herzenslust testen… Oje, mir graut schon.

    • Heike sagt:

      Nein, es war die Patientin, die schon weg ist, aber das Thema schwang anscheinend noch nach. – Du musst keine Angst haben, ich bring dich testtechnisch auf den Geschmack.

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