21-03-21-CoTaBu-Das ganze WE in seelischer Finsternis versandelt

Ich bin das ganze WE nicht in die Pötte gekommen, habe kaum meine Wohnung verlassen, unendlich viel geschlafen. In der Nacht auf gestern habe ich mich um 18:00 mit Klamotten „kurz hingelegt“ und bin früh um 8:30 aufgewacht. Viel geträumt, auch wach-geträumt, leider auch über Versäumtes, z.B. mir die Frage gestellt, ob ich meine Kinder überhaupt so genau angeschaut und „genossen“ habe. Mir fiel Simons Verdachtsdiagnose Leukämie kurz vor Jakobs Geburt ein, dann, dass unmittelbar im Anschluss endlich eine Ursache für seine Bewegungsasymmetrien erkannt wurde. Zeitgleich mit Jakobs Geburt hat diese jahrelange Physiotherapie für Simon begonnen, für die mir nach Peters Tod die Luft ausging. Das war viel auf einmal. Habe heute mit Jakob darüber gesprochen, was mich entlastet hat. Hatte auch einen dieser schrecklichen Momente, die vielleicht jeder mal hat, dass ich mich gefragt habe, was aus mir überhaupt geworden ist, nämlich gar nichts. Meine Highlights waren TV-Szenen, gestern auf ARTE über Hygiene, dann Koch und Pasteur, heute Kudamm 63. Ein WE in Lese-, Schlaf- und Speiseeinheiten, sonst nichts. Bei den Schriftstellerinnen haben sich bisher alle jung das Leben genommen; da ragt Ingeborg Bachmann direkt heraus, die „nur“ verbrannt ist. Gestern wieder drei Bücher bei Booklooker verkauft (schon fast soviel wie ein 80cm breites Regalbrett!), neue eingestellt, die ich wiederum vorher noch lese, soweit genießbar. Diese Kälte! Diese Nachrichten! Ein Anruf von Lollos Freundin, die immer von meiner Oma schwärmt, sie sei so charmant und schillernd gewesen, ich bedaure, dass ich diese Seite als Kind noch nicht bewusst wahrnehmen konnte. Sie nennt sie immer „die Generalin“. Anruf von Kiras Mutter aus Hamburg.

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3 Antworten

  1. Beate sagt:

    die Erinnerung an diese deine schwere Zeit! die Selbstzweifel, die Schwere, es macht mich beim Lesen traurig, wie ich Euch von damals vor mir sehe. Und dann die Lektüre über die jungen Talente, die alle früh gestorben sind. An manchen Tagen will die Schwere nicht weichen.

  2. Ines sagt:

    Ach Heike! Vielleicht braucht die Seele von Zeit zu Zeit solche finsteren Tage. Diese Frage, ob man die Kinder ausreichend gesehen hat und ob man selber genug aus seinem Leben gemacht hat, kenne ich auch, und bestimmt kennt es fast jeder reflektierte Mensch. Am nächsten Tag sieht es wieder heller aus. Wie man so viele Stunden am Stück schlafen kann, ist mir allerdings völlig unbekannt.

  3. Renate sagt:

    Der Alltag mit den Kindern verhindert manchmal, sie zu genießen. In der Rückschau verzerrt sich so manches. Ich bin sicher du hast deine Kinder genau angeschaut. Diese Fragen treiben auch mich immer wieder um. Dass du solange schlafen kannst ist erstaunlich. Als junger Mensch konnte ich das auch. ☺

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