21-03-23-CoTaBu-Schweigeminute, ätzende Hospitantin + sprudelnde Quellen

München und Umgebung hat gelernt, dass bei uns gerade nichts geht und so ebben die Anfragen ab und ich bin unterbeschäftigt. Eine Begebenheit von gestern habe ich bis ins Heute mitgenommen. Ich sollte eine Hospitantin fürs Ehrenamt aus Sr. Thereses Kurs übernehmen, die sich aufs Hospiz fixiert hat; gebe sie also dreimal jeweils einem Ehrenamtler unter die Fittiche. Gestern machte Helga den Auftakt. Die Hospitantin trat unsympatisch auf, empathielos, resonanzunfähig; ich kannte sie nur vom Vorgespräch, in dem ich sie nicht uninteressant, wenn auch nicht besonders gewinnend erlebt hatte. Gestern, als ich sie an Helga übergab, auch noch Anneliese sich dazu gesellte, fragte ich mich, ob und wie ich sie überhaupt jemandem zumuten konnte. Sie ist nicht die Jüngste, versteht also manches nicht auf Anhieb, auch wenn man es schonmal gesagt hat. Sie schaut nicht freundlich und wirkt somit abweisend. Sie erkannte Helga nicht wieder, die ich ihr letzte Woche schon vorgestellt hatte, sagte aber: da steht „so eine Dicke“ vor der Tür. Sie korrigierte Helga gleich bei der Händedesinfektion. Sie moserte, wenn die Butter zum Brotstreichen zu hart war oder wegen der Maske, die wir alle nicht lieben. Helga, der lustigste und gutmütigste Mensch, zeigte heute erstmals den Daumen nach unten. Ich krümme mich, wenn ich daran denke, dass sich jetzt noch zwei andere den Dienst vermiesen lassen müssen, was sie mir zu Gefallen tun. Man halte sich vor Augen, wer sich berufen fühlt, Sterbende zu begleiten – sich selbst als Gewinn am Krankenbett einschätzt! Und: bei Therese im Kurs Bestand hat. – Heute Schweigeminute mit Sonja zelebriert und bedauert, dass eine ganze Menschheit nicht in Betracht zieht, Gottes Beistand zu erflehen. Alles Transzendente so zu „vergessen“, dass es gar nicht mehr vorkommt, hat es m.E. noch nie gegeben in der Menschheitsgeschichte. Bei Herrn Diemer lange bei den „sprudelnden Quellen“ verweilt.

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6 Antworten

  1. Beate sagt:

    .. wir hatten doch schon vor geraumer Zeit mal das Thema der Absenz von Transzendenz! Fällt es so auf, weil der Tod durch die Pandemie doch so nahe gerückt ist? Wie lange werdet ihr die Hospitantin am Hals haben?

    • Heike sagt:

      Es fällt mir auf, weil der Tod, das große Mysterium, durch Wissenschaft und Politik als beherrschbare Größe behandelt wird, weil alles NUR mit diesen Mitteln bekämpft werden soll, weil alles sein darf, nur nicht das, was uns allen eines Tages bevorsteht. Und: die Hospitanitin nur dreimal, aber sie kostet mich fast schlaflose Nächte. So ungut. Am Hals ist herrlich, da kann ich wenigstens lachen.

  2. Ines sagt:

    Unmöglich, dass so eine Frau, wie du sie beschreibst, im Hospiz arbeiten soll. Du hast eine gute Menschenkenntnis. Es bräuchte sicher nicht noch 2 Einsätze, bis klar ist, dass die Hospitantin ungeeignet ist. Hoffentlich merkt sie es selber, sonst müsstet ihr das irgendwie übermitteln.

    • Heike sagt:

      Ich fürchte, sie merkt es nicht, und dann wäre es nicht das erstemal, dass ich versuchen muss, meine Eindrücke sozial verträglich zu artikulieren und am Ende doch die Böse zu sein. Refraiming, so haben wir das in der Systemischen Weiterbildung genannt. Das Negativste so umformulieren, dass du die Stärken ausbaust und das überdeutliche NEIN keine Demontage wird. Im Grunde hätte die Begrüßungssituation allein schon gereicht.

  3. Renate sagt:

    Noch zwei Einsätze sind zwei Einsätze zu viel. Ich weiß von dir wie schwer es ist, das jemand zu vermitteln. Du hast inzwischen sehr viel Erfahrung und vor allem ein gutes Gespür, so dass du sicher den richtigen Ton findest. Kann mir vorstellen wie dir das im Magen liegt.

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