21-04-02-CoTaBu-Urlaubsauftakt: Frühlingsblüte + Mahlers letzter Satz

Auftakt meines zehntägigen Urlaubs. Früher habe ich das manchmal in Erschöpfung gefeiert, indem ich auf dem Heimweg beim Canal Grande eingekehrt bin. Derzeit fehlt die Erschöpfung, aber auch die Möglichkeit. Trotz Karfreitags leuchtet die Forsythie, hier drinnen Beates Osterglocken. Vor dem Hochhaus steht der Mandel- oder Kirschbaum in voller Blüte, diesmal pünktlich zu Ostern. In Kürze werden die Bäume aufgehen, dann sehe ich das hässliche Hochhaus und den Ring nicht mehr, sondern sitze wie im Inneren eines Gewächshauses. Hier sieht es aus wie Sau, aber ich bin hochzufrieden. Soeben vom selbstgebackenen Roggenbrot der PferdeChristine gefrühstückt. Gestern den Steinmetzen, die mir am 3. März spontan den ehemaligen Stein von Peters Grab unter den Baum geschafft haben – worum ich meinen abgetauchten Lieblingssteinmetz jahrelang gebeten hatte – Osterhasen gebracht mit Diridari am Halsband; bei der Gelegenheit für alle KollegInnen und PatientInnen Ostersachen besorgt und verteilt, mit Überwindung auch an „Ungeliebte“. – Schönste Zufriedenheit: Ich hatte mich ein paar Tage mit dem „letzten Satz“ (Renates Seethaler) gequält, mochte es nicht recht, hab mich aber nicht getraut, das vor mir zuzugeben. Gestern Abend aber habe ich hineingefunden und es jetzt morgens mit großem Gewinn zu Ende gelesen. Ich finde sehr wohl, dass man etwas über Gustav Mahler erfährt, wenn auch mehr über seine Erscheinung, sein Wesen und den Raum, den die Musik bei ihm einnimmt als über den Prozess des Komponierens. Das Buch ist zu schmal, um in die fachlichen Details einzutauchen, aber immerhin zeigt es Mahlers Bestreben, Naturgeräusche, Vogelstimmen in Noten zu fassen. Mehrfach ist vom „Auströpfeln“ die Rede. Ich werde es mir daraufhin nochmal anhören, ertrage allerdings Mahler schwer. Seine Heirat, das Bild des Bettlers, Almas Persönlichkeit, der Tod der Tochter Maria, seine Leiden, ich fand, es ist in diese wenigen Seiten literarisch viel Leben eingeflossen. Und ich mag, wie Seethaler Mahler über Städte denken lässt. Ähnlich elend habe ich mich auch in Paris gefühlt.

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2 Antworten

  1. Ines sagt:

    Schöne Aussichten auf Urlaub, blühende Bäume und das schöne Gefühl, Menschen beschenkt zu haben. Ich wünsche dir eine erholsame Zeit.

  2. Renate sagt:

    Ich habe gleich nachgezählt ob du dann am 12.4. im Hospiz bist. Wenn ich alle Tage nehme, dann bist du da. Juhu! Ich fand, dass Seethaler auf den wenigen Seiten viel untergebracht hat, Historisches und Fiktives. Mit Mahlers Musik bin ich nicht sehr vertraut. Eine angenehme Urlaubswoche wünschen dir.

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