Fräulein Grüneis, Fragen an das Leben

Freier Tag. Um sieben Uhr morgens schon angekommen beim Testen: Am Nachmittag ist Frisörtermin bei Katrin. Haare schneiden…

Dann ab in den Englischen Garten. Ich bin besessen davon, zu laufen, laufen… aus Gesundheitsgründen. Als wäre jeder Meter ein Lebensjungbrunn. Was für ein Mist ist doch in meinem Kopf! Beim „Fräulein Grüneis“ einen Café Latte bestellt, hingesetzt, gemerkt , ich bin so überdrüssig, jeden Tag, jeden Tag in einem anderen Park meine Runden zu drehen. Was wird wohl sein, wenn ich meines Lebens so überdrüssig sein werde wie heute beim Laufen mit Pause bei Fräulein Grüneis? Also aufstehen (Krone richten????) weiterlaufen, hoch zum Monopterus, weiter durch den Park. Warum sehe ich nur die dichten Wolken am Himmel und genieße nicht das frische Grün an den Bäumen, den Duft vom Barlauch, die Freude, die all die Hundebesitzer haben, wenn der Wauwau über kleine Hürden springt oder sich tapfer durch die eiskalten Fluten des Eisbachs nach dem Stöckchen bewegt. Ein weiterer Kaffee im Milchhäusl. Es tröpfelt wieder… Daheim begegnet mir erst ein früherer Kollege, der im Stadtarchiv arbeitet, hat sich einen Wauwau angelegt, der ist jetzt ein Jahr alt, sagt er, dann meine Nachbarin Franziska an der Haustür. Sie ist Psychologin und erzählt von der psychischen Belastung durch Corona, sie habe so viele Anfragen, weil die Schüler am Rad drehen. Wir sind einer Meinung, dass die Zeiten belasten. Ich sage, ich bin geimpft, sie sagt, sie wartet mindestens zwei Jahre ab. Wie gut ist es schließlich, bei Katrin Frisör aufzuschlagen, die mir das Grau vom Kopf zukleistert und meine Haare frisiert. Daheim drehe ich mich vor dem Spiegel. Schaue jünger aus, wie schade, dass mich keiner sieht, heute nicht , morgen nicht, und so weiter. Aber ich sehe mein Spiegelbild, noch nicht alt genug, Lebensüberdruss zu leiden? Eitel bin ich immer noch!

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3 Kommentare

  1. Renate sagt:

    Unzufrieden mit dir und der Welt. Kein Blick für das junge Grün, die jungen Hunde. Du drehst dich kokett vor dem Spiegel und siehst eine jünger aussehende Frau. Ein gutes Gefühl. Morgen schaut alles wieder ganz anders aus. Das einzig Beständige ist der Wandel, wie es so treffend heißt.

  2. Heike sagt:

    Dann hattest du heute den Moralischen, den ich gestern hatte?!? Schick mal ein Foto in die Gruppe, dann können wir dich bewundern. Ich vielleicht erst morgen, denn ich schlafe schon die ganze Zeit ein.

  3. Ines sagt:

    Und ich dachte, Laufen macht glücklich. Das sind ganz ungewohnte Töne von dir. Die Betrachtungen zu den Wauwaus sind lustig . Morgen wirst du die Welt sicher wieder mit freundlicheren Augen sehen.

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