21-03-04-CoTaBu-Ostersonntag ohne Feier – Maisi, Lesen und TV
Wir stehen momentan früh auf; die Sommerzeit verändert den Rhythmus. Erst Beates weiße Blumen zum Grab gebracht, dann, ich trau`s mich kaum zu schreiben: wieder am Maisinger See – dort unter den Ersten. Luft, Vogelsang, Blüte, knallblauer Himmel mit dicken Flauschewolken, Bergpanaroma. Beates Kerze bei der Mutter Gottes angezündet. Möge sie ihren Mantel um das Leid der Welt breiten. Für jemanden oder gegen etwas? Maria selbst wird wissen, wie sie helfen kann. Danach Ruffini. Wenn weniger als fünf Leute Schlange stünden, wollten wir unser Frühstücksgebäck und eine Kiste Wein holen. Heute nur eine vor uns. Osterfrühstück bei Michael ohne Kerze, aber mit Beates Osterservietten. Nachmittags gingen wir auseinander. Lesen, schlummern, mit Bine und Jakob telefonieren. Ich hatte ein paar Bücher gekauft, aber jetzt von Renate „Malina“ und von Beate „Wassertänzer“ bekommen. Wo fange ich an? Monschau probiert, vom unsäglichen Denis Scheck schöngeredet. Ich bin nach zwanzig Seiten damit schon fertig. Pockenepidemie in der Eifel in den 60-er Jahren. Nachdem bereits zweimal bei einem Dialog „vom zweiten in den dritten Gang hochgeschaltet“ wurde, derlei Füllsel also zu einer beträchtlichen Seitenzahl führen werden, habe ich das Buch kurzerhand weggelegt. „Generation beleidigt“ der französischen Feministin Caroline Fourest ist schmal, könnte bis morgen fertig sein. Dann müsste ich um die beiden Romane…pendeln? – Stundenlang vor Tatort versumpft; danach auf Tagesschau24 über Schrebergärten. Was sich dort an absurden, bedrückenden Skurrilitäten abspielt, teils unter Autobahnbrücken zu ohrenbetäubendem Dauerlärm, an Kontrollzwängen, aber auch an Liebe zur Natur, war sehenswert. Ein überdimensionaler Mann hatte den Ehrgeiz, überdimensionales Gemüse zu züchten, das er teils mit dem Schubkarren transportieren musste. Eine Zucchini oder ein Kürbis, groß wie ein ausgewachsenes Schwein. Er schien den Zwang zu haben, alles Gemüse ständig zu vermessen. – Ein unspektakuläres Ostern ohne Erwartungsdruck. Allerdings birgt Alleinleben die Gefahr, mich gehörig gehen zu lassen.
Der Vormittag war doch sehr aktiv und eine Ostermontag würdig. Ein bisschen Gehenlassen muss auch mal sein, zumal du dich mit Lektüre beschäftigst bevor es zum Fernsehprogramm geht. Die Schrebergartenmentalität ist etwas sehr Deutsches.
Euer Auto findet den Weg zum Maisinger See wahrscheinlich schon ganz alleine. Ist aber auch schön dort. Schrebergartenbesitzer sind mindestens so schräg wie Wohnwagenbesitzer. Das ist ein Völkchen.
Zum Glück kenne ich keine Wohnwagenbesitzer und wenig Schrebergärtner!