Unsere Mutter
Heute war wieder Muttertag. Da Sylvie die neue Betreuerin seit Samstag da ist, wollte auch ich sie begrüßen. Ich haben sie im August ganz kurz gesehen. Sie spricht sehr gut deutsch. Mama versteht sie trotzdem nicht. Redet auch sehr viel, was mich heute leicht ermüdet hat. Frischer wurde ich als sie von Indien und Peru erzählte. In Peru lebte sie einige Jahre. Sie musste dann einkaufe. Mamas Gedächtnis wird immer schlechter. Eine Unterhaltung ist noch möglich, aber sehr eingeschränkt. Mich strengt überhaupt die ganze Situation an. Seit einiger Zeit zieht sie ihre Windelhosen aus. Bett und ihr Stuhl in der Küche waren nass und ihr hat es, laut Sylvie und auch Marta, nichts ausgemacht. Wir haben es Mama wieder und wieder gesagt und heute war alles in Ordnung. Sylvie kontrolliert jetzt öfter ob noch alles ok ist. Ich habe erst letzte Woche zu Eva gesagt, dass ich immer noch nicht glauben kann, dass unsere flotte und agile Mutter dement ist.
Das viele Reden könnte sich mit wachsender Vertrautheit noch legen. Es ist ja oft so ein Zwang, bevor Nähe entstanden ist oder auch ein Schutzschild gegen Nähe, glaube ich. Das mit der nassen Hose (und die Weigerung, sich darin helfen/kontrollieren zu lassen) ist auch eines der ganz neuralgischen Themen bei Anni.
Ich kann gut verstehen, dass dich die Situation mit deiner Mutter anstrengt. Dass ein Mensch sich durch die Demenz so verändert, ist schon sehr befremdlich.