21-04-13-CoTaBu-Abwechslung im Hospiztag + Müdigkeit bei Maigret

Heute war gut zu tun. Rechtfertigt das die wahnsinnige Müdigkeit am Abend? Abwechslungsreiche Telefonate. Ein schillernder Dialog mit einer alten Dame, die in der Kindertagesstätte unter der Palliativstation Harlaching gearbeitet hatte (gegenüber Nikolaus` ehemaliger Kinderpsychosomatik) zu Zeiten nach dem Bosnienkrieg. Kindern, die traumatisiert kamen, kaum der Sprache mächtig, musste man klarmachen, was es mit den Särgen auf sich hatten, die regelmäßig das Haus verließen. Wir kamen auf Erziehungsstile und Wertvorstellungen zu sprechen, wie sie in ihrer jeweiligen Absolutheit wechseln und Maß aller Dinge werden, bis das Gegenteil zur Norm wird; sie war/ist Familientherapeutin. Wo sie gelernt habe? Bei Prof. Peter Müller-Egloff, der mich (und Heide) in Studienschwerpunkten erst familien-, dann auch kunsttherapeutisch geprägt hat. Ihr Anliegen landet nicht bei uns, aber wir hatten einiges zu plaudern und zu lachen. Ein ungewöhnlich netter Richter wegen einer Betreuung. Ein sympatisch bescheidener Mann wegen Patientenverfügung, der wunderbar würdigen konnte, dass er sich gut beraten fühlte und ihm das weitergeholfen hat. Der Bruder einer Patientin, die jetzt verstorben ist, bevor wir sie aufnehmen konnten, der sich für den 8-monatigen Kontakt im Vorfeld bedankte. Begleitend krasser Süßigkeitenkonsum von Torte bis zu Renates Blätterkrokanteiern. Solang hat es mit Kasteiung geklappt! Kaum fange ich süß an brechen alle Dämme. – Abends habe ich Simons Zimmer ausgebessert vorgefunden, befreit von Abdeckfolie. Demnächst, so Gott will, die nächsten Schritte. Kommissar Maigret geguckt. Wie haben sich die Zeiten geändert! Diese Art des Telefonierens; die Gerichtsmedizin; diese Männerwelt, Frauen als Prostituierte, als kluge Hausfrau im Hintergrund, als Opfer oder als verkommenes Subjekt, die seelenlose Auftragsmörderin. Diese Interieurs! Diese Fassaden! Die Welt ist schneller, lauter und „wissender“ (?) geworden – keineswegs besser.

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3 Antworten

  1. Renate sagt:

    Prof. Müller-Egloff hatte Eva auch. Die Torte von Sonja war aber auch der Hammer. Im Hospiz konsequent zu bleiben, was das Süße betrifft, erfordert harte Disziplin. Da fehlts bei mir auch.
    Franzbrötchen sind auch nicht kalorienarm.

  2. Ines sagt:

    Bei den alten Krimis fällt die veränderte Welt immer sehr deutlich auf.

  3. Ines sagt:

    Jetzt wollte ich noch mehr schreiben und bin gerade raus geflogen. Mit den Süßigkeiten geht es mir auch so. Wenn ich einmal damit anfange, kann ich nicht aufhören. Toll, dass das Zimmer schon so weit gediehen ist. Bin gespannt, ob wir eine Veränderung bemerken beim nächsten Besuch.

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