21-04-19-CoTaBu -Strahlende Kanzlerkandidatin + persische Wiederbegegnung

Ich bin beflügelt von unserer jungen, dynamischen, hübschen, engagierten und inhaltlich sattelfesten grünen Kanzlerkandidatin. Und begeistert, wie Habeck sie nach vorne treten lässt! Bei Plassberg allerdings wurden kritische Stimmen laut, die – um Jahrzehnte zurückorientiert – nach der alten Basisstreitkkultur verlangen und allen Ernstes den Vergleich zugunsten der schmutzigen Kämpfe der Schwesterparteien heranziehen. – Heute bekam ich einen Anruf. Erinnert ihr euch an die drei persischen Brüder: Fashid, Fashad und Hamad oder so ähnlich. Die waren letzten Sommer wegen ihrer Mutter bei mir. Der Jüngste hatte nichts zu melden und war der Büttel für alle, lebte kein eigenes Leben und fraß sich am Krankenbett der Mutter auf. Der Mittlere, mein Favorit, hatte den Kontakt aufgenommen, charmant, humorvoll und quicklebendig. Der Älteste nahm seine Rolle sehr traditionell ein. In seinem Beisein, das nicht nur patriarchal, sondern auch humorlos war, wurde die anderen beiden still. Allerdings war es der Älteste, der später nochmal anrief und mich fragte, ob sie ihre katastrophalen Spannungen einmal vor meinem familientherapeutischen Blick ausbreiten dürften, wenn die Mutter nicht mehr sei, der sie am Sterbebett Frieden untereinander geloben sollten. Er betrachtete sich als Familienoberhaupt. Heute rief der Mittlere wieder an, mein Liebling. Kaum hatte die Mutter das Zeitliche gesegnet bekam der jüngere Bruder ein Lymphom im Kopf und liegt bereits im Sterben. Es ging nicht nur um einen Platz, sondern darum, ob wir die künstliche Ernährung aufrechterhalten würden. Wie so Viele wünschte er sich eine eindimensionale Antwort, die es darauf so nicht gibt. Es wurde ein längeres Gespräch; das Kulturelle kann man bei diesem Thema nicht außen vor lassen. Er wird sich nochmal melden; der Älteste war aufgetaucht und er konnte in dessen Beisein – wie immer – nicht offen sprechen. Uns begegnen im und ums Hospiz wirklich schwere Schicksale.

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4 Antworten

  1. Ines sagt:

    Ja klar, erinnere ich mich an die persischen Brüder. Schon damals eine Geschichte, die sich verfilmen ließe und jetzt die Fortsetzung. Tragisch, das Schicksal dieser Familie. Ist in deren Kultur künstliche Ernährung nicht erwünscht oder umgekehrt oder ist das jetzt auch zu eindimensional?

    • Heike sagt:

      Er selber sagte auf meine Frage, es habe nichts damit zu tun und sie seien so wenig religiös wir nur irgendwer. Aber wie wir wissen sitzen kulturelle (und damit religiöse) Normen tiefer als das Tagesbewusstsein. Und wir lernen, um nicht zu sagen „wissen“, was wissen wir schon, dass im Islam der Mund z.B. immer befeuchtet werden muss, damit die Seele am Ende rausfindet. Und dass es – mit meinen Worten – absolut tabu ist, jemanden „hungern“ zu lassen (während wir sagen, ein Sterbender hungert nicht, sein Körper nimmt keine Nahrung mehr an, er sondert sie im Gegenteil auf wenig wünschenswerte Weise ab). In diesen Familienn ist es schon vorgekommen, dass Essen in einen „sterbenden Mund“ eingegeben wurde, was dann zum qualvollen Tod durch Ersticken führen kann. Nahrung ist allerdings auch in unseren Breitengraden ein immerwährendes, leidvolles Thema und die Familie schaltet auf Alarmstufe rot, wenn Essen „verweigert“ wird. Es ist wie eine allerhöchste Form der Zurückweisung in der Beziehung. Es muss also immer viel darüber gesprochen werden, und mit diesem ältesten der Brüder, so hatte ich es erlebt, ist nicht wirklich gut zu reden. Howgh, ich habe gesprochen.

  2. Renate sagt:

    Wie tragisch ist das. Der, der nichts zu melden hatte und sich für die Mutter aufgeopfert hat, stirbt. Wobei es auch passt, dass er diesen Weg jetzt auch geht. Ich bin gespannt ob sich der ältere Bruder noch einmal meldet. Ich schreibe dann gleich die Telefonnummer auf.

  3. Beate sagt:

    ich erinnere mich auch an Deine Erzählungen von den drei Brüdern. Und gefühlt wenig später ist der jüngste so schwer krank. ich fühle mich daran erinnert, dass mir Vera auf dem Rad begegnet ist, abstieg und vom Tod ihrer Mutter erzählte. Es verging nicht viel Zeit und sie wurde schwer krank

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